Wieder Tröglitz, und wieder sind es die gleichen Reflexe. Entsetzen, Betroffenheit und der Ruf nach Konsequenzen.
So war es vor einem Monat, als Markus Nierth sein Bürgermeisteramt aufgegeben und vor den Drohungen und Einschüchterungen der Rechtsradikalen, aber auch aus Enttäuschung über mangelnde Unterstützung der Bürger und höherer Behörden, kapituliert hatte. So ist es auch jetzt wieder, nach dem Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim in der kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt und den Morddrohungen gegen den Landrat dort.
Die Empörung ist groß. Neonazis hetzen seit Monaten gegen die Aufnahme von vierzig Flüchtlingen, schrecken offenbar auch vor Gewalt und schwersten Straftaten nicht zurück. Auch in der Bevölkerung gibt es Gegenwind, und die Behörden blieben viel zu lange untätig. Die wenigen, die sich für die Aufnahme der Hilfesuchenden und eine weltoffene Stadt einsetzen, werden im Stich gelassen.
Die Landesregierung, zunächst auch das Landratsamt sowie Polizei und Justiz haben es bisher an Entschlossenheit im Kampf gegen die Rechtsextremisten vermissen lassen. Hier geht es nicht allein um die Bedrohung von Amtsträgern und um Brandstiftung, was schlimm genug ist. Hier geht es um eine offene Kampfansage gegen den Rechtsstaat und unsere Demokratie.
In Tröglitz zeigt die rechtsextreme NPD ihr wahres Gesicht. Sie liefert den geistigen Nährboden, schürt die Fremdenfeindlichkeit und die aggressiv kämpferische Grundhaltung gegen das freiheitlich demokratische System. Ob auf der Straße, in den Bürgerversammlungen, im Netz oder auf anderem Wege – die Rechtsextremen führen hier einen offenen Kampf, wollen den Rechtsstaat in die Knie zwingen und ein Zeichen setzen, das weit über das kleine Städtchen hinaus wirken soll. Wenn die Politik jetzt kapituliert, zurückzieht, anstatt Stärke und Entschlossenheit zu zeigen, wäre dies fatal.
