Mit einem einzigen Satz hat VW-Patriarch Ferdinand Piëch wieder mal ein Erdbeben bei dem Wolfsburger Autobauer ausgelöst. Völlig überraschend ging der mächtige Aufsichtsratschef – öffentlichkeitswirksam per Interview – auf Distanz zu seinem Ziehsohn Martin Winterkorn. 28 Buchstaben genügten, um dem größten deutschen Autobauer eine unnötige Führungskrise zu bescheren.

Natürlich läuft auch bei VW nicht alles rund. In Sachen Gewinnkraft gibt es noch Luft nach oben. Auch die anhaltenden Absatzschwierigkeiten in den USA sind aus VW-Sicht ärgerlich. All diese Probleme werden aber überdeckt durch die glänzende Gesamtbilanz von Winterkorn, unter dessen Führung VW von Rekord zu Rekord eilt und schon in Kürze an der weltweiten Autospitze stehen dürfte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Piëch mit nur wenigen Worten einen Top-Manager über die Klinge springen lassen könnte. Sowohl der einstige VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder als auch der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mussten das bereits leidvoll erfahren.

Der aktuelle Fall ist dennoch anders gelagert. Pischetsrieder und Wiedeking waren damals bereits angezählt. Winterkorn kann jedoch auf einen starken Rückhalt zählen, wie Betriebsratschef Osterloh und Ministerpräsident Weil sogleich deutlich machten. Es wird spannend, wer am Ende als Sieger aus diesem Machtkampf hervorgehen wird.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft