Auch 2015 wird wohl ein gutes Jahr für den deutschen Arbeitsmarkt. Diese Prognose darf gewagt werden, weil das erste Quartal so gut gelaufen ist, wie es die neuen Zahlen am Dienstag deutlich machten. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt demnach weiter. Statt – wie von Skeptikern befürchtet – bundesweit an der Marke von drei Millionen zu kleben, geht es weiter abwärts. Die Prognosen müssen umgeschrieben werden: Statt rund 25 000 halten Experten nun rund 100 000 Arbeitslose weniger für möglich als im Vorjahr. Das wären dann 2,8 Millionen.
Deutschlands glückliche Arbeitsmarkt-Phase dauert also an. Das hat zahlreiche Gründe, die alle gleichzeitig wirken.
Entscheidend ist letztlich der Arbeitskräftebedarf der Unternehmen. Die Auftragslage ist weiterhin so gut, dass vielerorts zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden. Kaum einer Branche geht es richtig schlecht. Und die Konjunktur wird immer weiter angefeuert von einem starken Export, den der schwache Eurokurs noch zusätzlich antreibt, und von steigender Kaufkraft im Inland. Dazu tragen maßgeblich die stattlichen Lohnabschlüsse für die Tarifbeschäftigten und die zunehmende Erwerbstätigkeit bei. Außerdem verleiten die extrem niedrigen Zinsen zusätzlich zu umfangreichen privaten Anschaffungen oder Investitionen in die eigenen vier Wände.
Bemerkenswert ist: Die Deutschen haben offenbar ihre weltweit berühmte „Angst“ endlich abgelegt. Heute ist in vielen Haushalten eher unbeschwerter Konsum angesagt. Das hilft natürlich vielen Produzenten, Händlern und Dienstleistern.
Die Wirtschaft zeigt deshalb beachtliche Dynamik. Ihr Wachstum liegt an jener Prozentmarke, ab der nach den Theorien von Wirtschaftswissenschaftlern mehr Personal benötigt wird, um die Aufträge abzuarbeiten. Dieser Auftrieb muss noch möglichst lange erhalten bleiben.
Denn auch 2,8 Millionen Arbeitslose sind noch viel zu viele. Auf die zuständigen Dienstleister wartet bei der Mobilisierung von Teilen dieser großen Gruppe noch eine Riesen-Aufgabe. Zudem sind die Arbeitslosenquoten in Deutschlands Regionen recht unterschiedlich hoch. Auch hier ist noch aktive Gestaltung möglich.
