Nein, es werden auch dieses Jahr nicht Hunderttausende in Deutschland bei den Ostermärschen auf den Straßen sein, auch nicht Zehntausende, obwohl die Welt nach Frieden ruft, mehr noch: nach Frieden dürstet. Krieg in Jemen, Tragödie in Syrien, Zerstörung in Irak, Chaos in Libyen. Auch in Europa tobt wieder ein Krieg. Was vor 18 Monaten noch undenkbar schien, ist mittlerweile seit gut 13 Monaten in der Ukraine bittere, traurige und blutige Realität. Die alte Friedensordnung zertrümmert. Die Welt wirkt irgendwie aus den Fugen.
Ostern. Auferstehung. Sieg des Lebens über den Tod. Das ist die Botschaft, die Hoffnung. Doch die Welt ist gerade dabei, in eine Art neue Blockbildung mit mindestens politischer Aufrüstung zu starten. Begonnen hat ein Wettkampf der Systeme: Demokratien mit ihren offenen (und damit auch verletzbaren) Gesellschaften gegen autokratische Staaten, bei denen eine Figur und eine auf Kurs getrimmte Partei das Sagen haben. China gegen die USA. Das ist der Wettlauf um die Weltherrschaft im 21. Jahrhundert. Darum geht es. Und dies müssen auch europäische Spitzenpolitiker wissen, die sich der Reihe nach zu Xi Jinping nach Peking aufgemacht haben. Zuletzt kamen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gleich im Doppelpack. Doch Europa muss sich entscheiden, was es will. Europa muss härter, mutiger und entschlossener im Umgang mit Peking sein – und kann trotzdem Handel treiben.
China unter der Führung von Xi ist zurück in beinharter Ideologie. Wladimir Putins Russland ist dabei Pekings natürlicher Verbündeter – gegen die USA und gegen den Westen. Der Friedensplan für die Ukraine, den das Regime in Peking bei der Münchner Sicherheitskonferenz ausgerufen hat, ist bestenfalls ein Feigenblatt, weil China sich sogar davor scheut beziehungsweise es bewusst unterlässt, Aggressor und Opfer im Ukraine-Krieg zu benennen. Der lauteste Applaus für den Friedensplan, der bestenfalls ein Ablenkungsmanöver war, kam woher? Aus Moskau. Xi ist aktuell vermutlich der einzige Politiker weltweit, der wirklich auf Kreml-Herrscher Wladimir Putin einwirken könnte, vom Krieg in der Ukraine zu lassen. Doch was für Putin die Ukraine ist, ist für Xi Taiwan. Noch greift er nicht militärisch nach dem kleinen Inselstaat. Doch es ist nicht ausgemacht, ob Besuche US-amerikanischer Spitzenpolitiker in Taipeh ihn am Ende nicht eher motivieren könnten, die Fahne Chinas auf der Insel hissen zu lassen.
Es steht nicht gut um den Frieden auf unserem Globus. Zeitenwende bedeutet auch, dass sich die Zeiten wirklich gewendet, ja verändert haben. Viele alte Gewissheiten gelten nicht mehr, neue Risiken sind gewachsen. Europa braucht Stärke, gemeinsamen Willen und Entschlossenheit. Sonst gewinnen Autokraten wie Xi und Putin die Oberhand. Und das macht die Welt nicht sicherer.
