Die 28 Staats- und Regierungschefs der EU wollen an diesem Wochenende ihren Streit um die Besetzung der europäischen Spitzenämter beilegen und zu einer Entscheidung kommen. Dieses Versprechen sollten sie besser halten, wollen sie sich nicht lächerlich machen.

Mehr als drei Monate liegt die Europawahl zurück, Jean-Claude Juncker wurde nach wochenlangem Gestreite schließlich doch Kommissionschef, aber auf viel mehr hat man sich bisher nicht einigen können. Für eine Gemeinschaft, die von ihren Bürgern und internationalen Großmächten ernst genommen werden will, ist das zu wenig.

Vor zwei Jahren wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Diese Ehrung ist nicht nur als Lob für Vergangenes zu verstehen, sondern auch als Verpflichtung für die Zukunft. Es gibt heute wieder Krieg auf europäischem Boden – und die EU schaffte es lange nur mit Mühe, eine halbwegs einige Position dazu zu finden. Europa darf die Krisenbewältigung auf dem eigenen Kontinent nicht den USA oder der Nato überlassen. Wenn die EU es nicht schafft, Konflikte wie die Ukraine-Krise selbst zu lösen oder wenigstens mit einer Stimme zu sprechen, wird sie auf ewig ein Wirtschaftsclub bleiben, der außenpolitisch von niemandem ernst genommen wird. Nicht von Barack Obama, erst recht nicht von Wladimir Putin.

Europa muss aber geschlossen und einig auftreten. Dazu braucht es einen EU-Außenbeauftragten, der politisches Gewicht hat und internationales Ansehen genießt. Wie die derzeitige italienische Außenministerin Federica Mogherini – so sie es denn wird – diese Rolle ausfüllen soll, ist aus heutiger Sicht schwer vorstellbar. Ein Ratspräsident Donald Tusk wäre da schon ein anderes Kaliber. Die Besetzung der Spitzenämter wird zeigen, wie reif Europa politisch ist. Alles andere als ein überzeugendes, einstimmig beschlossenes Personaltableau wäre eine Blamage.