Immerhin: kein Streit mehr, kein böses Wort. Stattdessen eitel Sonnenschein und Harmonie im brandenburgischen Schloss Meseberg. Wer allerdings konkrete und weitreichende Beschlüsse erwartet hatte, wurde enttäuscht. Da heißt es Fehlanzeige.

Stattdessen menschelt es vor allem, wird im barocken Kaminzimmer etwas für den schwarz-roten Teamgeist getan. Sollte der fröhliche Klassenausflug der Großen Koalition zu Beginn der gemeinsamen Regierungszeit wirklich dazu geführt haben, dass sich die Kabinettsmitglieder von Union und SPD näher gekommen sind, besser verstehen und dies auch dauerhaft, ist dies sicher von Nutzen für die weitere Zusammenarbeit. Doch fast sieben Monate nach der Bundestagswahl hätte man schon mehr als ein flüchtiges Speed-Dating der Minister in idyllischer Kulisse erwarten können.

Die Welt droht immer mehr aus den Fugen zu geraten. Europa wartet weiter auf Reformen. Und auch in der Innenpolitik gibt es von der Dieselkrise und drohenden Fahrverboten über die Innere und Soziale Sicherheit bis zu Defiziten bei Pflege und Gesundheit jede Menge zu tun. Doch bei der Regierungsklausur bleibt alles im Ungefähren. Mag die Kanzlerin auch versprechen, dass man sich trotz wirtschaftlich guter Lage und Beschäftigungsrekord nicht zurücklehnen werde, so steht der Beweis für die Entschlossenheit und den Aufbruch der neuen Großen Koalition noch aus. Von dem Tempo jedenfalls, von dem zuletzt die Rede war, ist bisher nicht viel zu erkennen. Nach Lösungsvorschlägen sucht man vergeblich. Es liegt noch ordentlich Mehltau auf diesem Bündnis. Und von dem Zauber, der jedem Anfang und auch dem Schloss in Meseberg inne wohnen soll, ist noch nicht wirklich etwas zu spüren.