Der Fußball nimmt heute eine zentrale Stellung in der Gesellschaft ein. Er hat eine Bindungskraft entwickelt, während Parteien, Verbände oder die Kirche ihre weitgehend eingebüßt haben. Und er hat Verantwortung.
Die Finanzkraft der Vereine, die in Wirklichkeit knallhart kalkulierende Wirtschaftsunternehmen sind, ist gewaltig. Auf drei Milliarden Euro beläuft sich der Umsatz der 18 Bundesligisten. Mehr als 13 Millionen Besucher strömen pro Saison in die Arenen. Wo Marketingstrategen Leidenschaft, Liebe oder Tradition draufschreiben, steckt Gewinnmaximierung drin. Selbstredend, dass der Ruf nach einer Kostenbeteiligung für die enormen Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen auf die Agenda kommt. Der Bremer Senat stellt dem Ligaverband für besagte Problempartien von Werder bereits die Mehrkosten in Rechnung.
Wer dies nun mit Populismus abtut oder mit der generellen Schutzfunktion der Polizei in unserer Gesellschaft gegenargumentiert, verschließt die Augen vor der Realität. Woche für Woche stellt sich irgendwo in Deutschland die Sicherheitsfrage bei Fußballspielen. Justiz, Politik und Sport versuchen seit Jahren, der Wirrköpfe Herr zu werden. Ansätze gibt es viele. Die Politik hat die Gesetze verschärft. Die Sicherheitskräfte haben ihre Deeskalationsstrategien verfeinert, die Clubs ihre Fanarbeit intensiviert.
Wirklich genutzt hat alles nichts. Die Gewalt rund um ein Fußballspiel bleibt ein Thema. Aufwendige Polizeieinsätze gehören zur Tagesordnung. Genau wie die Kostenfrage – diesen Fehlpass aber kann der Profifußball in Deutschland nicht dauerhaft dem Steuerzahler zuspielen.
