Was für ein Fehlstart für die neue SPD-Chefin! Gerade einmal 66 Prozent, nur zwei Drittel der Delegierten geben der neuen SPD-Chefin ihre Stimme und ihr Vertrauen. Die Parteivorsitzende beginnt ihre schwierige Rettungsmission mit einem kräftigen Dämpfer und wird nur mit dem zweitschlechtesten Ergebnis gewählt. Ein schmerzlicher Beginn.

Gerade noch hatte es nach dem Ja zur Großen Koalition beim Mitgliederentscheid noch so ausgesehen, als seien die harten Kämpfe um den richtigen Kurs und die Macht bei den Genossen beendet, als kehre jetzt wieder endlich Ruhe ein in der Partei, da geht die Selbstzerfleischung weiter. Als wäre das Chaos nicht schon groß genug, droht es die SPD jetzt noch ein wenig auf die Spitze zu treiben.

Die Lust am Untergang scheint gewaltig zu sein bei den Sozialdemokraten. Die geplante Kür von Andrea Nahles als neue Parteichefin und erste Frau an der Spitze und Hoffnungsträgerin gelingt mehr schlecht als recht. Der Wiesbadener Parteitag zeigt, wie tief gespalten die Partei ist. Der quälende Streit über den richtigen Weg nach der Bundestagswahl – Opposition oder Regierung – und der Sturz von Martin Schulz als Parteivorsitzender samt Postenpoker wirken nach.

Andrea Nahles verspricht Erneuerung in der Regierung. Wie dies allerdings genau aussehen und gelingen soll, darauf bleibt die Parteichefin zunächst Antworten schuldig. Die SPD steht vor einer Zerreißprobe, Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel vor einer äußerst schweren Aufgabe.

Die Partei von August Bebel, Kurt Schumacher und Willy Brandt kämpft um ihren Status als Volkspartei. Die neue Vorsitzende jedenfalls wird es schwer haben, die Partei zu einen, sie zu begeistern, damit die SPD auch wieder andere von sich begeistern kann.