Fernfahrer sind nicht nur die Nomaden der Straße. Sie gelten vor allem als die Vernachlässigten des sozialen Europas, weil sie als ständige Pendler zwischen den Mitgliedstaaten durch das Netz der ansonsten geltenden Schutzstandards fallen.

Welcher Mindestlohn soll für die gelten, die monatelang quer durch alle Mitgliedstaaten unterwegs sind, die an Raststätten, die sie sich nicht leisten können, ihre Mahlzeiten auf Campingkochern zubereiten und selbst Ruhezeiten im Fahrerhaus verbringen müssen? Diese Frage bleibt auch nach diesem Kompromiss des Parlamentes unbeantwortet.

Denn faktisch werden die Bestimmungen über den Mindestlohn ausgehebelt. Das ist ein Manko, keine Frage. Es bleibt auch eine Belastung für die Beteiligten und den Wettbewerb. Denn dass sich einheimische Spediteure gegen Billiglöhner am Steuer aus anderen Mitgliedstaaten zur Wehr setzen, ist ebenso verständlich wie der Versuch ihrer Konkurrenten aus Ländern mit niedrigerem Einkommensniveau, endlich auf dem Mark Fuß zu fassen.

Umso wichtiger wäre es gewesen, hier mehr als eine Lücke zu lassen, die nichts verbessert. Das macht das Paket zum Flickwerk, das die Mitgliedstaaten wohl noch einmal aufschnüren werden – und damit auch alle anderen Verbesserungen hinauszögern.