Das Aufatmen bei Volkswagen war geradezu hörbar: In den USA schaffte man es gerade noch rechtzeitig, einen konkreten Vorschlag zur Schadenregulierung im Abgas-Skandal vorzulegen. Sicher, nicht alle Details der nun absehbaren Einigung mit diversen US-Behörden und den Betroffenen sind schon bekannt. Aber klar ist schon, dass man in Wolfsburg einen Ausweg gefunden hat, den auch der im Blickpunkt stehende Bezirksrichter in Kalifornien akzeptieren wird.

Das ist ein wichtiger Forstschritt bei der Abarbeitung des Abgas-Skandals in jenem Staat, in dem er 2015 aufgedeckt wurde. Aber ein Befreiungsschlag ist das noch nicht.

Man weiß ja noch gar nicht, wie teuer es am Ende wird. Das dürfte spätestens am 21. Juni halbwegs feststehen, denn bis dahin hat Volkswagen nun Zeit, Details zu der Einigung nachzureichen. Allerdings kann man sich schon jetzt ausrechnen, dass die Eckpunkte des absehbaren „Deals“ zu zahlreichen Autorücknahmen durch VW führen werden. Spekulationen, dass der Gesamtaufwand zur Aufarbeitung des Skandals weit in den zweistelligen Milliardenbereich ausufern könnte, finden nun Bestätigung.

Das wiederum erhöht den Druck im Konzern, der seit Monaten mit seinen vielen Baustellen gar kein gutes Bild abgibt, enorm. Hohe Milliardenlasten, die zu schultern sind – das wird die Diskussionen anfeuern um Arbeitsplätze, Leiharbeiter, Werke, Jahreszusatzzahlung, Boni für Vorstände und die Dividende für die Aktionäre.

Bei Volkswagen geht es in diesen Tagen Schlag auf Schlag. Schon an diesem Freitag tagt der Aufsichtsrat. Hoffentlich gelingt es, weitere konkrete Schritte voranzukommen, statt sich unsensibel im internen Streit zu verheddern und nach außen ein schlechtes Bild abzugeben. Niedersachsens wichtigstes Unternehmen ist durch den Abgas-Skandal schon viel zu lange gelähmt. Wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens werden wahrscheinlich verzögert, weil Tagesordnungen ständig mit dem Skandal belastet sind.

Und es tauchen permanent neue Fragen auf. So wachsen mit den absehbaren Vergleichen in den USA nun natürlich auch außerhalb der USA die Erwartungen.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)