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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Spekulanten Grenzen setzen

23.02.2019

Frankfurt /Main Wirecrad. Noch vor kurzem kannten die wenigsten den Namen des Zahlungsdienstleisters. Nun ist er in aller Munde. Ein Dax-Konzern wohlgemerkt. Wirecard wickelt den Zahlungsverkehr im Internet ab. Ein weltweit boomendes Geschäft, daher der rasante Aufstieg des Unternehmens.

Autorin dieses Textes ist Anja Kohl. Die profilierte Wirtschaftsjournalistin arbeitet für die ARD. (Foto: privat)

Im Raum stehen Fälschungsvorwürfe von Konten und Zahlungen bei Wirecard in Singapur. Aufgebracht hat sie die britische Zeitung „Financial Times“. Seither vollzieht sich ein bislang einzigartiges Schauspiel. Spekulanten schlossen Wetten auf den Fall der Wirecard-Aktie ab, stehen im Verdacht bewusst Gerüchte gestreut zu haben, damit die Wetten aufgehen. Das sind sie. Wegen fast täglicher Kursstürze haben die Spekulanten viel Geld gewonnen.

Diese Woche zog die Finanzaufsicht Bafin die Reißleine. Für zwei Monate verbot sie alle Wetten auf den Fall der Wirecard-Aktie, sogenannte Leerverkäufe. Als Grund nannte sie die Bedrohung der Finanzstabilität. Zuletzt tat sie dies 2008 als wegen der Pleite der US-Bank Lehman das gesamte Finanzsystem zu kollabieren drohte.

Ohne Zweifel: Die Begründung ist heillos übertrieben. Es zeigt die Hilflosigkeit der Finanzwächter. Der Fall Wirecard bedroht beileibe nicht die Finanzstabilität, sehr wohl aber die Glaubwürdigkeit des Börsenbarometers und der „Marke“ Dax, die bisher gut beleumundet war – und damit nun auch die Glaubwürdigkeit des Finanzplatzes Frankfurt.

Derweil begründen Interessenvertreter der hemmungslosen Spekulation öffentlich, warum es solche Wetten denn gewiss auch weiterhin brauche. Auf der Gegenseite der Leerverkäufer stünden ja Käufer, die sich absichern wollten, zu welchem Preis sie eine Aktie am Fälligkeitstag kaufen. Klingt schlau, nach hoher Finanzarithmetik.

Was für ein Humbug ! Eine Verschleierung der Tatsache, dass es nur um eines geht: Reibach zu machen multipliziert um dem Faktor X. Dies ist anders zu bewerten als wirkliche Absicherungsgeschäfte wie sie über Derivate zum Beispiel bei Agrarrohstoffen möglich sind, wobei auch diese nicht unumstritten sind. Doch der Unterschied ist wie Formel Eins zu Kettcar-Fahren – im Zweifelsfall lebensgefährlich.

Bei Wirecard ist die Aufklärung der Vorwürfe längst in den Hintergrund getreten. Diskutiert wird nur noch über die unkontrollierte Spekulation. Sie zerstört Vertrauen. Das Zerstörungspotential geht über Wirecard hinaus.

Es ist ein Fall für den gesunden Menschenverstand. Verbietet Leerverkäufe! Nicht nur für zwei Monate. Generell! Für immer! Niemand braucht sie.

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