Ballett ist also die „Kunst des Nacktseins“. Diese Erkenntnis verdanken wir einem radikalislamischen Mitglied des ägyptischen Parlamentes. Sie ist ein Symptom des gnadenlosen Kulturkampfes, der am Nil gegen „westlichen Einfluss“ und „westliche Dekadenz“ ausgebrochen ist.
Da werden Opern- und Museumsdirektoren gefeuert und Grundschullehrerinnen kommen ins Gefängnis, weil sie den Propheten Mohammed „beleidigt“ haben. Ägypten erntet die vergifteten Früchte des Arabischen Frühlings. Es sind die liberalen, pro-westlichen Eliten, die zur Zielscheibe der Islamisten werden. Diese Eliten haben geglaubt, sie würden nach dem Sturz des autokratischen Mubarak-Regimes das Ruder am Nil übernehmen. Sie haben aber die Sympathien der Mehrheit des Volkes für islamistische Ideen unterschätzt. Das liegt auch daran, dass dieses liberale Ägypten jahrzehntelang in einer Parallelwelt gelebt hat. Die Armut des Volkes wurde ignoriert, seine Traditionen als gestrig verlacht. Diese Blindheit rächt sich jetzt.
