Cherchez la femme – dahinter steckt eine Frau. Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, hat sich einen schlanken Fuß gemacht und die Stadtgesellschaft darüber abstimmen lassen, ob die Parkgebühren für schwere Sportgeländewagen in Frankreichs Hauptstadt drastisch angehoben werden sollen. Und siehe da: Die knappe Mehrheit der teilnehmenden sechs Prozent aller stimmberechtigten Pariser ist dafür, dass Stadtpanzerfahrer stärker zur Kasse gebeten werden.

Madame Hidalgo sieht sich als Jeanne d’Arc der gezügelten Mobilität und hat bereits vor Jahren das Seine-Ufer vom Autoverkehr befreit. In ihrer Symbolpolitik folgt sie den ungezählten Beispielen anderer Metropolen der Welt. Solche Maßnahmen bescheren den schicken, grünen urbanen Zentren sicher jede Menge Klicks und Likes bei Instagram und Tiktaktuk.

Man muss sich hüten, hierbei von einer Trendumkehr oder gar Mobilitätswende zu sprechen. Dafür sitzen die meisten Menschen noch viel zu oft und viel zu lange in ihren Blechkisten. Auch in unseren autogerecht konzipierten Großstädten ist vieles auf den Individualverkehr ausgerichtet – leider bieten sich verspätet abfahrende oder nicht ankommende Busse und Bahnen nicht als Alternative an.

Neidisch schauen wir Radfahrer immer wieder in die Niederlande und auch nach Dänemark, wo dem Zweiradverkehr Vorfahrt eingeräumt wird. Es gibt nur wenige Städte, die derart stark in den Radverkehr investiert haben, dass sie zum Vorbild für Nachhaltigkeit und Lebensqualität geworden sind, wie Amsterdam. Auch Utrecht und Groningen sind leuchtende Beispiele. Investitionen in das Fahrrad sind in jeder Hinsicht ein Gewinn – aber das hat Paris schon vor 120 Jahren erkannt und die Stadt zum Zielort der Tour de France gemacht: einmal im Jahr.

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)