Deutschlands Betriebe suchen händeringend Auszubildende und greifen immer häufiger daneben. Dass inzwischen mehr als jeder vierte Lehrling seine Ausbildung nicht beendet, ist ein weiteres Symptom des Azubi-Notstands. Die Gründe für das Rekordniveau der Abbrecherquote sind vielfältig und erfordern ein Bündel an Gegenmaßnahmen.

Die Mindestausbildungsvergütung, die die Bundesregierung durchsetzen will, sollte dazugehören. Natürlich wehren sich die Unternehmen dagegen, wie sie sich schon gegen den allgemeinen Mindestlohn gewehrt haben. Indes haben sich die schrillen Warnungen vor der Vernichtung von Abertausenden Jobs und dem Ruin zahlloser Firmen nicht erfüllt. Eine Mindestausbildungsvergütung kann dazu beitragen, die berufliche Bildung attraktiver zu machen und die Lehrlinge bei der Stange zu halten, wenn sie klug angegangen wird. Der Friseurlehrling muss nicht das Gleiche bekommen wie der angehende Stahlbetonbauer. Wenn auf die unterschiedlichen Voraussetzungen in Branchen und Regionen Rücksicht genommen wird, sollten Industrie und Handel mit sich reden lassen – im eigenen Interesse.

Ebenso dringlich ist es, endlich für eine vernünftige Berufsvorbereitung zu sorgen. Ein Hauptgrund für die hohe Abbrecherquote ist, dass junge Leute mit völlig falschen Erwartungen ihre Lehre starten. Schulen und Eltern stehen hier gleichermaßen in der Pflicht, den Jugendlichen einen funktionierenden Kompass an die Hand zu geben. Wer weiß, was er will, wirft auch nicht gleich beim ersten Problem mit dem Chef oder der Chefin die Flinte ins Korn und bringt leichter die notwendige Disziplin auf, sein Ziel zu erreichen.