Im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bewies man eine ruhige Hand: Die EZB ließ bei ihrer Sitzung am Donnerstag den Leitzins unverändert. Und das ist auch gut so. Die Notenbank als mächtigster Faktor im europäischen Kapitalfluss tut gut daran, sich noch Pulver trocken zu halten – für Krisenszenarien, die sich angesichts der hohen Verschuldung weltweit, der stark gestiegenen Aktienkurse und Immobilienpreise sowie der allgemeinen Unsicherheit über die weitere globale Konjunkturentwicklung jederzeit einstellen können.
In solchen Zusammenhängen könnte es nochmals erforderlich werden, den Leitzins weiter zu senken. Viel ist da allerdings ohnehin nicht mehr drin, angesichts der bereits erreichten 0,25 Prozent.
Deutlich wurde am Donnerstag einmal mehr, was in diesen Monaten die Hauptsorge in der Frankfurter EZB-Zentrale ist: Nicht etwa Inflation, das klassische Problem von Notenbanken, sondern genau das Gegenteil: Deflation – also ein Trend sinkender Preise, der Negativ-Spiralen bei Konsum, Investitionen und Arbeitsplätzen auslösen kann. EZB-Präsident Draghi ließ keinen Zweifel daran, dass er beherzt eingreifen würde, sollte sich dieser Trend, der sich zurzeit in einigen Euro-Krisenstaaten zart andeutet, fest etablieren. Die spannende Frage ist, welche Mittel Draghi für diesen Fall konkret in der Pipeline hat und welche Nebenwirkungen sie hätten.
