Die Jahres-Teuerungsrate in Deutschland ist im März auf nur noch 1,4 Prozent gesunken. Der mehrmonatige Trend zur nachlassenden Geldentwertung setzt sich also fort. Damit kam es wieder einmal anders als noch vor kurzem gedacht. Nicht wenige Experten hatten im Gefolge der riesigen Rettungspakete für Europas Banken und Krisenstaaten mit einem Inflationsschub gerechnet. Denn die Aufblähung der Geldmenge führt tendenziell zu Preissteigerungen, zu Inflation also. Das ist in den Lehrbüchern der Volkswirtschaftslehre so nachzulesen.
Der Zusammenhang besteht sicherlich auch weiterhin. Das Gespenst der Inflation ist nur kurzfristig verscheucht, auch durch die Rezession in Teilen Europas. Es wird aber wieder auftauchen – spätestens, wenn das viele Geld seinen Weg in die reale Wirtschaft gefunden hat und sich mit anderen preistreibenden Faktoren (steigende Rohstoffpreise, höhere Lohnsteigerungen) summiert.
Schon jetzt trifft die vergleichsweise moderate Teuerungsrate zahlreiche Haushalte spürbar. Es gibt viele Menschen, die nicht in der Lage sind, Teuerungen zwischen 1,5 und zwei Prozent auszugleichen – wie etwa die Rentner. Sie müssen sich 2013 mit einem mickrigen Renten-Nachschlag von wohl nur 0,25 Prozent begnügen. Auch andere Transfergruppen oder auch schwach organisierte Arbeitnehmer sind ähnlich betroffen.
Ohnehin ist es ja so, dass die offizielle Inflationsrate nur die halbe Wahrheit abbildet – und in der Bevölkerung eine abweichende Entwicklung gefühlt wird: Vieles wird deutlich teurer, man kommt mit dem Geld nicht mehr so hin.
Tatsächlich trifft der offizielle „Warenkorb“ der Statistiker einzelne Bevölkerungsgruppen unterschiedlich. In den aktuellen 1,4 Prozent finden sich viele nicht wieder, die gerade eine Immobilie erwerben, eine Neubauwohnung anmieten, ein Auto in die Werkstatt bringen oder viel Strom verbrauchen und bestimmte Nahrungsmittel kaufen – ohne dabei in größerem Umfang jene Produkte zu erwerben, die billiger geworden sind.
Merke: Auch bei „nur“ 1,4 Prozent Inflation droht Kaufkraftverlust. Am deutlichsten wird es breiten Schichten bei Spareinlagen: Die Zinsen liegen unter der Teuerungsrate.
