Für die Anschläge in der Türkei gibt es einmal mehr mittelbare und unmittelbare Schuldige. Die Killer und die Organisationen hinter ihnen gehören zur zweiten Kategorie. Der mittelbar Schuldige sitzt im Präsidentenpalast in Ankara. Er heißt Recep Tayyip Erdogğan.

Für die Morde von Istanbul kommen zwei Gruppen infrage – junge, radikale kurdische Nationalisten oder Islamisten des Islamischen Staates (IS). Erstere sind regelrecht Produkt der Politik des türkischen Präsidenten. Die zweite Gruppe hat er viel zu lange ermutigt, unterstützt und verharmlost.

Das türkische Militär führt seit Monaten unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit einen Krieg gegen die eigene Zivilbevölkerung in den kurdischen Gebieten. Das hat dort insbesondere junge Leute radikalisiert. Ihnen ist nun selbst die PKK noch zu moderat, und so ist ein kurdischer Terror entstanden, der sich gegen zivile Ziele richtet und den es in dieser extremen Form bisher nicht gab.

Den IS hat Erdogan – selbst ein Islamist – viel zu lange gestützt, um die Miliz gegen das syrische Assad-Regime und für die eigenen neo-osmanischen Träume zu benutzen. Dieses Monster ist auch durch Milch aus den Zitzen des türkischen Staates groß und stark geworden.

All das ist also Gewalt, die Erdogan selbst gesät hat. Es steht zu hoffen, dass man das in der Türkei bald erkennt.

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk