Wenn es Nacht wird in Corona-Land, kommt Leben auf die Balkone. Die Menschen klatschen, schlagen auf Kochtöpfe oder schmettern Arien, um sich bei den systemrelevanten Berufen wie Ärzten und Krankenpflegern zu bedanken.

Von den Belgiern war da bisher wenig zu hören. Dies soll sich nun ändern. Am Abend waren die 11,5 Millionen Einwohner erstmals aufgerufen, etwas für ihr Land zu tun und … Pommes zu essen. Diese lukullische Solidaritätsaktion, die einen glatten Bruch mit der EU-Kampagne gegen Fettleibigkeit bedeutet, hat einen ernsten Hintergrund: Anfang April mussten die legendären Pommes-Buden schließen, seither wächst der Berg der nicht verbrauchten Kartoffeln der Marke Bintje. 750 000 Tonnen faulen und müssen demnächst vernichtet werden. Eine schwer erträgliche Vorstellung. Also kam der Branchenverband mit dem schmackhaften Namen „Belgapom“ auf die Idee, einen Aufruf zu starten: Mindestens zwei Mal in der Woche sollten die zu strikter Quarantäne verdonnerten Belgier die Fritteuse anwerfen.

Erste Berichte, wie viele Landeskinder dem Appell folgten, werden erst in einigen Woche erwartet. Die Idee hat hohes „Ansteckungspotenzial“. Denn nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes warten auch hierzulande rund 200 000 Tonnen Pommes-Kartoffeln auf den Verzehr. Und da könnte man schließlich auf die Idee kommen, nach dem abendlichen Klatschkonzert für das Pflegepersonal das landesweite Balkontreffen mit einer gemeinsamen Portion Fritten abzurunden – mit Majo oder Ketchup. Klar.

Detlef Drewes, Büro Brüssel, über Corona, Kartoffeln und frittierte Solidarität