Mein älterer Sohn ist inzwischen fünf Jahre alt. Sind wir irgendwo gemeinsam unterwegs, ist das keine Besonderheit: Papa und Sohnemann machen gemeinsam einen Ausflug, so soll es sein. Als ich meinen Sohn als Baby noch täglich im Tragegurt oder im Kinderanhänger bei mir hatte, waren die Reaktionen schon andere.
Fast ein Jahr lang war ich zu Hause, während meine Frau vergleichsweise bald nach der Geburt wieder Vollzeit zur Arbeit ging. Also saß ich meist zwischen Mamas in der Krabbelgruppe, brachte den Kleinen bei Spaziergängen zum Schlafen und versuchte nach Möglichkeit noch, ein wenig im Haushalt zu schaffen (was mal besser, mal schlechter gelang).
Dass sich jemand explizit daran störte, dass ich diese Rolle übernommen hatte, kann ich nicht sagen. Gerade junge Mütter sagten mir immer wieder, dass sie das gutheißen. Aber ich hörte auch Kommentare, in denen die Zweifel an meiner Rolle erkennbar waren. Wenn mein Sohn beim Spazierengehen weinte, meinten Passanten zum Beispiel, dass die Mama wohl fehle. Dass er einfach nur Hunger haben könnte, kam ihnen nicht in den Sinn.
Zwei Monate gehen die meisten Väter in Elternzeit, häufig auch parallel zur Mutter. Dabei ist die Zeit alleine mit dem Kind zu Hause äußerst lehrreich. Die Frage, was Mütter in Elternzeit außer Kaffee trinken den lieben langen Tag so machen, stellt sich mir jedenfalls nicht. Und wie Alleinerziehende alles unter einen Hut bekommen, ohne sich ein Zimmer in der Jaspers-Klinik zu reservieren, ist mir bis heute schleierhaft.
Dabei steht es mir allerdings fern, die Papas als Drückeberger zu bezeichnen. Auch bei mir war die Entscheidung für eine lange Elternzeit nicht als Zeichen für die Gleichberechtigung gedacht. Vielmehr waren finanzielle Aspekte ausschlaggebend: Meine Frau verdiente mehr Geld. Wäre ich zu Hause geblieben, hätte es auf dem Konto bald nicht mehr rosig ausgesehen.
In einer Welt, in der die meisten Männer immer noch mehr verdienen, setzt das ans Einkommen gekoppelte Elterngeld die Rahmenbedingungen. Erst wenn sich in diesen Bereichen etwas ändert, wird es für Familien leichter, die Zeit mit dem Kind gleichmäßiger aufzuteilen.
Patrick Buck über seine Elternzeit
