Es ist beeindruckend, mit welcher Disziplin die Zyprer mit der für sie so schwierigen Situation umgehen. Tagelang waren die Banken geschlossen, die Läden sind leer, vielen Menschen droht die Arbeitslosigkeit, dem Land eine tiefe Rezession. Die Bürger zahlen den Preis für eine verfehlte Politik, die versucht hat, aus der Mittelmeerinsel ein innereuropäisches Steuerparadies zu machen. Und für den Größenwahn der Banker, die ein für sie viel zu großes Rad gedreht haben. Jetzt spuckt der Geldautomat nur noch maximal 300 Euro aus, Kapitalverkehrskontrollen erschweren den Unternehmen das Geschäft. Und doch bleiben die Zyprer ruhig. Das war nicht unbedingt zu erwarten.

Das Beispiel Griechenland führt vor Augen, was die Menschen auf Zypern in den kommenden Monaten und Jahren zu erwarten haben: Firmenpleiten, ein vor dem Kollaps stehendes Gesundheitssystem, soziales Elend. Dass sie angesichts dieser Perspektivlosigkeit wütend sind und verzweifelt, dass sie nach Schuldigen suchen, ist nur allzu verständlich – selbst dass einige uns Deutsche verantwortlich machen. Doch sie bleiben dabei überwiegend beherrscht. Das zeugt von Größe.

Die Art und Weise, wie das Rettungspaket für Zypern zustande kam, war unwürdig und falsch. Das tagelange Geschacher um die Rettungsmilliarden hat dem Ansehen des Landes, aber auch der Glaubwürdigkeit Europas schwer geschadet. Dass der Inselstaat in der Eurozone bleiben darf und Milliardenhilfen erhält, ist dennoch richtig.

Die Zyprer brauchen angesichts der schweren Zeiten, denen sie entgegengehen, jetzt die Solidarität der übrigen Europäer. Angesichts der Beträge, die nach Griechenland, Irland oder Spanien gingen, sind die zehn Milliarden Euro für Zypern kein allzu großes Opfer. Es war nötig, dass das Land einen eigenen Beitrag erbringt, und so ist es geschehen. Deshalb sollten gerade wir Deutsche, denen es inmitten der Eurokrise so gut geht wie lange nicht, aufhören, mit dem Finger auf die Zyprer zu zeigen. Sie schultern die härtesten Lasten, nicht wir. Der Großteil der Bürger trägt keine Schuld am finanziellen Zusammenbruch – nur die Folgen. Es geht nicht nur um eine Währung und um viel Geld. Es geht auch um Menschen.