Man kann es mit Recht eine Zeitenwende für Österreich nennen. Ein Leitartikler der Wiener „Presse“ sieht so etwa nach der Präsidentschaftswahl vom Sonntag das „Ende der Zweiten Republik“ gekommen.
Bemerkenswert ist dabei aber weniger das spektakuläre Abschneiden des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. In Österreich genoss das so genannte Dritte Lager, also eine Partei rechts von der konservativen Volkspartei, schon immer sehr viel höhere Akzeptanz als in Deutschland. Man geniert sich schlicht nicht so sehr, sein Kreuz bei einer derartigen Kraft zu machen. Die eigentliche Sensation ist vielmehr das Debakel von Sozialdemokraten (SPÖ) und Konservativen (ÖVP), deren Kandidaten beide nicht die Stichwahl erreicht haben. Die Österreicher scheinen die Nase voll zu haben vom Proporz, von zwei Parteien, die das Land jahrzehntelang quasi unter sich aufgeteilt haben. Sie haben die Nase voll von großen Koalitionen. Das aber ist eine Stimmung, wie wir sie bei uns durchaus auch kennen.
