Gute Nachrichten aus Griechenland, gute Nachrichten aus Portugal, doch die Deutschen sind skeptisch, schenken den Erfolgsmeldungen kein rechtes Vertrauen. Zwei von drei Bundesbürgern rechnen nicht wirklich damit, dass die Euro-Krise bereits überstanden ist.

Die Rückkehr von Athen und Lissabon an die Kapitalmärkte ist vor allem psychologisch ein wichtiges Signal. Seht her, wir haben Recht behalten und können es schaffen! Gerade vor der Europawahl am 25. Mai kann es derartige Zeichen des Optimismus gar nicht genug geben.

Vier Jahre nach Ausbruch der Krise gibt es den Euro noch immer, und selbst Griechenland, dessen Verbleib 2012 höchst ungewiss erschien, gehört weiter zur Währungsunion. Mag der erste Primärüberschuss auch Mut machen und neue Möglichkeiten eröffnen, über Staatsanleihen die am Boden liegende Wirtschaft wieder aufzurichten. Dieses zarte Pflänzchen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch nicht viel gewonnen ist, dass der Reformkurs stetig fortgesetzt und nicht abgebremst werden darf. Dass im gesamten Euro-Raum der Schuldenstand weiter deutlich steigt statt zurückgeht, ist ein Alarmsignal. Natürlich ist Wirtschaft auch immer zu fünfzig Prozent Psychologie, wie es Ludwig Erhard einst formuliert hat. Aber eben auch nicht mehr. Auch wenn es weitere Entbehrungen kostet, muss Athen die Anstrengungen fortsetzen und möglichst noch verstärken. Sonst werden die guten Nachrichten aus Griechenland schon bald wieder Geschichte sein.