Hannover - Auf dem Schlagzeilen-Display in den hannoverschen U-Bahn-Stationen steht das Thema hinter den Corona-Regeln und dem Rauswurf von Thilo Sarrazin aus der SPD lediglich auf Platz 3: „Grünen Chef Robert Habeck in Hannover!“ Gemeinsam mit seinem Parteikollegen und Oberbürgermeister Belit Onay besucht der 50-jährige, frühere Kieler Umweltminister die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Machte der Doktor der Philosophie noch kürzlich Kuschelfotos mit Pferden fürs Netzwerk Instagram, soll es diesmal Bilder geben, die dem Ernst des Themas angemessen sind. Und das heißt Corona.
Im Rahmen seiner Sommerreise informierte sich Habeck bereits beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen über Antibiotika und Impfstoffe sowie beim Lebensmittelhändler Rewe in Köln über Lieferketten. An der MHH geht es um Corona-Behandlungsmöglichkeiten und die Forschung nach Impfstoffen. Also streifen sich Habeck und Onay weiße Kittel und Mund-Nasen-Schutz zur Visite im Gebäude K3 auf dem weitläufigen Gelände über. In den klinisch-diagnostischen Laboren informieren Professor Korbinian Brand, Virologe Thomas Friedrich Schulz und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die prominenten Gäste. Ein Tross von 16 Personen, darunter MHH-Präsident Michael Manns und sein Vize, der Pneumologie Professor Tobias Welte, folgen.
Am Ende ist der Ober-Grüne, der einmal in Berlin am Kabinettstisch sitzen möchte, voll des Lobes über das Engagement an der MHH. Habeck fordert, den Krankenhäusern eine höhere Pauschale für das Freihalten von Betten für mögliche Corona-Patienten zu geben. Quasi als „zweite Säule“ zur Finanzierung der Kliniken. Auch bei der Feuerwehr finanziere man Spritzenwagen und ABC-Züge selbst dann, wenn sie nicht zum ständig zum Einsatz kommen. Vorbildlich sei es, dass die Regierung hohe Mittel zur Erforschung ines potenziellen Corona.Impfstoffs zur Verfügung stelle. Dann müsse aber die spätere Verteilung des Medikaments nach Bedürftigkeit erfolgen.
Onay assistiert. Er bedankt sich „für die sehr gute Arbeit“ an der MHH.
Und was sagen die Mediziner? Der Besuch Habecks sei „eine große Ehre“, erklärt Präsident Manns. Welte zeigt sich erstaunt, wie gezielt Habeck im Labor nachgefragt habe. Eine Frage dieser Zeitung, ob es denn richtig sei, dass die Polizei die Daten der Gastronomie-Gästelisten für Ermittlungen zur Verfügung gestellt werden sollen, will Habeck aber nicht beantworten. Dann zieht der Tross rasch weiter – zur Feuerwehr. Dort gibt sich Habeck wieder volksnäher: mit Helm auf dem Kopf. Schöne Bilder gehören eben zur Sommertour.
