Wetten, dass..?-Erfinder Frank Elstner nahm nächtliche Kondolenzbekundungen interessierter Medien gefasst entgegen. Wie ein Boxer nach erlittenem Tiefschlag mit einer Mischung aus Trauer, dass es soweit kommen konnte, und ehrlicher Erleichterung über das unverhoffte Ende nach langem Siechtum ohne Aussicht auf Heilung.
Jawohl: Zum Schluss ging es vielen TV-Konsumenten der einstmals legendären Samstagabend-Show durchaus genüsslich nur noch darum, neue Tiefpunkte der Fernsehunterhaltung oder noch nie erreichte Spitzenwerte auf der nach oben offenen Peinlichkeitsskala auszumachen.
Und dank Markus Lanz, erfolgreich unterwegs als Totengräber des ZDF-Flaggschiffs, das nicht totzukriegen schien, ist es nun vollbracht: „Wetten, dass..?“ stirbt am 13. Dezember 2014 nach Ausstrahlung der 215. Folge.
Die heilige Kuh der deutschen Fernsehunterhaltung wird, 33-jährig, tatsächlich geschlachtet. Eine Nachricht, die – je nach Standpunkt – Endlich-Rufe oder Schade-Seufzer provoziert.
Und nun? Droht der traurigste Abgang der Fernsehgeschichte seit Winnetous Tod, wie Medienkritiker mutmaßen?
Eine nationale Katastrophe ist das Ende von „Wetten, dass..?“ natürlich nicht, eine Zäsur aber durchaus.
Kalt lässt das beschlossene Ende der TV-Ikone, die spätestens nach dem schrecklichen Unfall von Samuel Koch im Dezember 2010 an Glanz verlor und unübersehbare Flecken behielt, kaum jemanden. Das zeigt die breite Diskussion, die Lanz’ eher beiläufige Ankündigung vor – immer noch – knapp sieben Millionen Zuschauern ausgelöst hat. 23 Millionen waren es in guten Zeiten, die vor allem mit dem Namen Thomas Gottschalks verknüpft sind.
Einschaltquoten hin, Lanz her. Der Abschied von „Wetten, dass..?“ fällt schwer. Weil so viele Erinnerungen daran hängen an eine Zeit, da Samstagabend-Unterhaltung für die ganze Familie noch ihren Platz hatte. Jacksons Earth-Song, Buntstift-Wette oder Kanzler Schröder im Studio: Darüber wurde gesprochen auf Schulhöfen und in den Büros. Generationenübergreifend.
Demnächst macht dann jeder wieder sein Ding zur besten Sendezeit. Passt auch besser zum momentanen Zeitgeist.
