Es ist ein typischer Reflex, wie man ihn auch schon andernorts nach solchen Taten und Entwicklungen immer wieder erlebt hat. Fremdenhass? Ausländerfeindlichkeit? Nicht bei uns. Und wenn, dann auch andernorts. Tröglitz sei überall, behauptet Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff nach dem Brandanschlag auf die neue Flüchtlingsunterkunft in der Stadt.

Nein, Tröglitz ist nicht überall! Ja, es gibt solche Angriffe und solche rechtsextremistischen Umtriebe nicht nur in dem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt. Doch der aggressive Kampf des braunen Mobs gegen Recht und Gesetz und die Vertreter des Rechtsstaates, der Versuch, hier alle Regeln außer Kraft zu setzen und eine ganze Stadt zu vereinnahmen, hat schon eine besondere, erschreckende Qualität. Ein Bürgermeister, der sich für die Willkommenskultur und die Aufnahme der Flüchtlinge eingesetzt hat, hat kapituliert. Ein Landrat erhält Morddrohungen und der Dachstuhl einer Unterkunft ist abgebrannt.

Was soll bitte noch passieren, bis vor allem der für die Sicherheit verantwortliche Landesinnenminister alles in Bewegung setzt, um hier den Rechtsstaat entschlossen zu verteidigen? Er hätte lange schon helfen müssen. Natürlich zeigt der Fall Tröglitz aber die gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die die Aufnahme von Hunderttausenden von Flüchtlingen stellt. Bund und Länder müssen die zuständigen Kommunen hier stärker unterstützen.