Die Erwartungen an den neuen Chef an der Airbus-Spitze sind hoch. Guillaume Faury soll nichts weniger vollbringen, als die Erfolgsgeschichte des Luftfahrtriesen Airbus fortzuschreiben – mit innovativen Produkten und auskömmlichen Dividenden für die Aktionäre. Und das alles ohne Affären oder gar wirtschaftliche Rückschläge, wie sie Konkurrent Boeing gerade wegen des 737-Jets gewärtigt.

Airbus ist nicht nur ein europäischer Konzern, er ist auch ein Unternehmen, das politischer Einflussnahme unterliegt. Das hat der scheidende Vorstandschef Tom Enders bei seinem gescheiterten Versuch schmerzhaft zu spüren bekommen, mit dem britischen BAE-Rüstungskonzern zu fusionieren. Ein strategischer Fehler der Politik. Die Airbus-Diplomatie erfordert nach wie vor Rücksichtnahme auf nationale Befindlichkeiten. Ist der Chef ein Franzose, muss der oberste Aufseher ein Deutscher sein.

Dass mit Enders auch das Aus für den Riesenflieger A 380 verbunden wird, schmälert seine großen Verdienste nicht. Es war eine Entscheidung, die der Markt vorgegeben hat. Die äußerst erfolgreichen Kurz- und Mittelstreckenjets der A-320-Familie kompensieren das. Airbus steht auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten aus Seattle, kann ihn wegen der 737-Krise überholen. Faury hat es in der Hand. Er kann das europäische Erfolgsmodell zum alleinigen Weltmarktführer machen.