Klinik-Sterben, Praxen-Kollaps, Pflegekräfte-Überlastung, Arznei-Mangel – ja, das deutsche Gesundheitssystem hat aktuell wahrlich größere Pro­bleme als die Gretchenfrage zu den Globuli. Und angesichts des maximalen Einsparpotenzials von 50 Millionen Euro im Jahr durch eine ­Streichung der homöopathischen und anthroposophischen ­Behandlungen von der Liste der zusätzlichen Kassenleistungen hilft es auch wenig, das Milliardenloch im Bundeshaushalt zu stopfen. Aber zumindest wäre es ein Problem, das man schnell und einfach aus der Welt schaffen kann – und auch sollte.

Homöopathie als mögliche Kassenleistung vor dem Aus

Es ist ein Unding, dass die deutschen Krankenkassen im 21. Jahrhundert immer noch Behandlungen bezahlen, deren Wirkung – jenseits eines Placebo-Effektes – nicht wissenschaftlich nachweisbar sind. Und das auf Kosten aller Versicherten, nicht nur der Globuli-Anhänger, von denen nicht ­gerade wenige selbst schwere Krankheiten wie Covid, Aids oder Krebs mit den Zucker­kügel­chen wegzaubern wollen und von denen manch einer auch jenseits des medizinischen Bereichs Wissenschaft eher skeptisch, Verschwörungstheorien aber umso offener gegenübersteht. Unter den „Querdenker“-Demonstranten zur Hochzeit der Corona-Pandemie beispielsweise war ein auffallend hoher Anteil an Globuli-Anhängern. Es ist auch nicht nur ein Problem, dass Globuli und Co. nicht wirken. Das größere ist vielmehr, dass durch die homöopathischen ­Behandlungen wirksame Mittel und Methoden oft genug nach hinten geschoben oder sogar gar nicht angegangen werden, was in Fällen wie eben Covid, Aids oder Krebs schnell tödlich enden kann.

Dadurch, dass die Krankenkassen Globuli und Co. bislang bezahlt haben, haben sie der Homöopathie einen seriösen Anstrich verliehen, den diese wahrlich nicht verdient hat. Da wäre es schon sinnvoller, wenn sie künftig bei Husten und Heiserkeit die Kosten für Thymiantee und Salbeibonbons erstatten würden. Das wirkt wenigstens.

Stefanie Dosch
Stefanie Dosch Politikredaktion/Newsdeskmanagerin