Eins kann man ihm nicht vorwerfen: Dass er seine Versprechen nicht hält und sich nicht auch nach der Wahl und dem Einzug ins Weiße Haus treu bleiben würde.
Wer gehofft hatte, Donald Trump werde schon von seiner Administration und den republikanischen Parteifreunden gezügelt und von seinen Plänen abgebracht, ist bereits in der ersten Woche nach Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten auf den harten Boden der Realität zurückgeholt worden. Ob Mauerbau, die Einführung von Strafzöllen oder jetzt als trauriger Höhepunkt das Einreiseverbot für Muslime aus sieben Staaten – Trump verfolgt seinen Kurs der Abschottung und setzt die Pläne im Eiltempo um.
Mit dem von ihm verhängten Einreisestopp für Millionen von Muslimen, den er als Anti-Terror-Maßnahme verkauft, verstößt er gegen die amerikanische Verfassung und grundlegende Werte des Landes der Freien und der Heimat der Tapferen, wie es in der Nationalhymne heißt. Gut, dass es Bundesrichter gibt, die daran erinnern, und eine immer größer werdende Protestbewegung. Gut auch, wenn Angela Merkel in dieser schwierigen Situation den Dialog mit dem neuen Präsidenten sucht. Doch sollte die Kanzlerin hier keine missverständlichen Signale senden, sondern klar und verbindlich bleiben. Im persönlichen Gespräch diplomatische Freundlichkeiten austauschen und erst später im Nachhinein öffentlich Kritik an dem Einreisestopp üben, wirkt wenig glaubwürdig und dürfte auch den US-Präsidenten nicht sonderlich beeindrucken.
Wenn Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer allerdings Trump für dessen anfänglichen Arbeitseifer ausdrücklich lobt, ist das eine Art der Anbiederei und des vorauseilenden Gehorsams, die auch im Weißen Haus wenig Eindruck hinterlassen wird.
