Am Ende seines irdischen Weges war er gebrechlich, schwach, von Schmerzen geplagt. Seine letzten Auftritte in der Öffentlichkeit waren langsam und mühselig, von größter Kraftanstrengung und eisernem Willen geprägt. Johannes Paul II., der am Beginn seiner Amtszeit so kraftstrotzende Kirchenmann, hat der Welt mit seinem nahezu öffentlichen Leiden und Sterben gezeigt, dass Päpste keine Übermenschen sind, sondern wie andere auch unter Schmerz und Krankheit zu leiden haben.

„Santo subito“, sofort heilig, riefen sie damals nach dem Tod des charismatischen Kirchenführers in den Straßen Roms – und seit Sonntag ist der Wunsch vieler Katholiken in Rekordzeit in Erfüllung gegangen. Ganze neun Jahre liegen zwischen Tod und Heiligsprechung des Mannes aus Polen, der als erster Nichtitaliener seit dem Mittelalter zum Bischof von Rom und somit zum Oberhaupt der weltweiten katholischen Kirche gewählt wurde.

„Habt keine Angst“, rief er damals den Menschen zu – und das ist auch in Erinnerung geblieben. Ohne ihn und seine Ermutigung hätte es die revolutionären Veränderungen im alten Ostblock kaum gegeben. Auch der neue Papst Franziskus wird nicht müde, speziell der Kirche Mut zu machen. Seine Botschaft: Habt keine Angst, auf Reichtum zu verzichten, traut euch, auf die Straße zu gehen und für die Menschen da zu sein, fürchtet euch nicht vor Schmutz und Beulen, habt Mut zur Barmherzigkeit.

Franziskus hatte jetzt außerdem den Mut, gemeinsam mit Johannes Paul II. auch Papst Johannes XXIII. heiligzusprechen, obwohl noch nicht alle formalen Voraussetzungen erfüllt waren. Damit ehrt er einen Mann, der die katholische Kirche mit dem zweiten Vatikanischen Konzil in besonderer Weise für die Welt geöffnet hat und dem er theologisch sehr nahe steht.

Von Franziskus erwarten übrigens viele, dass er seinen Kurs der Bescheidenheit fortsetzt und dabei deutlich macht, dass auch Heilige trotz ihrer Verdienste Menschen sind, die zu Lebzeiten auch vor Fehlern und Versagen nicht gefeit waren. Die Kirche tut gut daran, nicht zu vergessen, dass nach ihrer Überzeugung ausnahmslos alle Menschen auf Gnade und Vergebung angewiesen sind.

Jürgen Westerhoff