Willkommenskultur in Panama – Steuerflüchtlinge werden dort mit offenen Armen empfangen. Das Geschäftsmodell der Offshore-Anwaltskanzleien blüht.
Nicht nur Mossack Fonseca bietet dort beinahe wahllos Zigtausenden von Kunden Briefkastenfirmen an. Was jetzt durch einen Whistleblower, einen anonymen Informanten, und mit Hilfe der Medien ans Licht kommt, hat bereits eine weltweite Ermittlungswelle der zuständigen Behörden ausgelöst.
Hochrangige Politiker, Prominente wie Sportstars, aber auch Kriminelle bis hin zu Spuren in Richtung Mafia. Die Panama Papers, 11,5 Millionen Dokumente und Hinweise auf 200 000 Briefkastenfirmen, deuten auf ein ungeahntes Ausmaß an Steuerbetrug und kriminellen Geschäften hin. Die brisanten Informationen des Whistleblowers und die Recherchen der Medien bringen jetzt sogar Staatschefs und ihr Umfeld in Erklärungsnot. Und glaubt man den Experten, so ist Panama nur ein kleines Puzzlestück im großen internationalen System.
Natürlich sind Briefkastenfirmen grundsätzlich nicht illegal, wird das Vermögen ordnungsgemäß versteuert. Doch stellt sich in nicht wenigen Fällen die Frage, was hier durch dieses Schein-Unternehmen vertuscht und wer getäuscht werden soll. Es ist eine Art Déjà vu. Der Kampf gegen Steueroasen läuft seit Jahrzehnten. Und Offshore-Modelle wie in Panama gibt es auf der ganzen Welt. Das Ausmaß der jetzt aufgedeckten Fälle wird den Druck international, aber auch auf die deutschen Behörden und die Politik deutlich erhöhen, den Steuersumpf auszutrocknen, den Betrug und diejenigen, die ihn möglich machen oder tolerieren, konsequent zu verfolgen und auch Schlupflöcher zu schließen. Es darf nicht einmal mehr nur beim kurzen Aufschrei bleiben, nach dem schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen wird.
