Ich (48) kann mich noch an Zeiten erinnern, als es im Fernsehen drei Programme gab und nach Mitternacht das Testbild lief. Dann kamen die Privatsender und brachten Rund-um-die-Uhr-Programm und mehr Sender als Speicherplätze auf dem alten Röhren-Gerät.

Inzwischen haben öffentlich-rechtliche und private Sender eine Konkurrenz, die übermächtig ist: Streamingdienste wie Amazon Prime oder Netflix sind eine unerschöpfliche Videothek und können aufgrund weltweiter Vertriebseinnahmen Filme und Serien mit Budgets produzieren, von denen selbst Hollywood nur träumt. Mit diesem Geld greifen sie auch nach attraktiven Sportrechten, wie jetzt der Dienst DAZN, der das höchste Übertragungsangebot für die Fußball-Champions-League abgegeben hat.

Auch bei mir spielt das lineare Fernsehen nur noch eine Nebenrolle. Selbst den „Tatort“ hole ich mir aus der Mediathek, die „Tagesschau“ schaue ich auf dem Smartphone. Individualisierung ist ein Treiber des digitalen Wandels der Medien. Schauen, was ich will, wann ich will und wo ich will – da kann das gute alte Fernsehen nicht mithalten.

Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)