• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Wer Wind sät, wird Sturm ernten

09.05.2019

Jerusalem „Bombardieren!“ „Besetzen!“ „Dem Erdboden gleichmachen!“ Diese und andere, teilweise härtere Vorschläge, wie Israel denn mit Gaza und den Terroristen dort umgehen sollte, erhalte ich täglich in meiner Inbox. Ich versuche, auf jede Empfehlung kurz zu antworten und – wenn die Zeit es zulässt – zu erklären, dass theoretisch alles denkbar, praktisch jedoch vieles nicht umsetzbar ist. Das hat verschiedene Gründe, der Hauptgrund aber, warum Israel nicht im Gazastreifen „volle Kanne einreitet” und seine haushohe militärische Überlegenheit auskostet, ist ein menschlicher.

Arye Sharuz Shalicar ist ein deutsch-iranisch-israelischer Politologe, Publizist und Schriftsteller. Der ehemalige Sprecher der Israelische Armee ist heute Mitarbeiter der israelischen Regierung. Sein aktuelles Buch „Der Neu-Deutsche Antisemit“ erschien vor wenigen Monaten. (Foto: privat)

Denn nichts wäre einfacher für Israel und die Israelische Armee (IDF), als nach jedem Beschuss von Terroristen aus dem Gazastreifen innerhalb weniger Sekunden alles im Umkreis von genau diesem Abschussort in Schutt und Asche zu legen. Nach nur wenigen Tagen gäbe es wahrscheinlich keine sichtbaren Terroristen mehr. Die letzten würden sich in ihre selbstgebuddelten Terrortunnel verkriechen und sich vor lauter Angst in die Hosen machen, während sie um ihr Leben fürchten. Es gäbe endlich Ruhe.

Jedoch wäre der Preis für solch eine Reaktion von Seiten Israels zivile Opfer: Frauen, Kinder, Unschuldige. Viele Regierungen und Staatsoberhäupter würden genau das in Kauf nehmen, wenn ihre Bevölkerung in Lebensgefahr ist. Denn warum sollte man das Leben der eigenen Leute weiter gefährden, während man aus Sorge um zivile Opfer auf der Gegenseite zaghaft und mit der Pinzette vorgeht?

Der jüdische Staat sieht das anders. Das hat natürlich mit der eigenen, äußerst schmerzhaften Vergangenheit zu tun. Zwar ist die Lehre aus dem Holocaust, „nie wieder Opfer“ sein zu wollen, was aber unter keinen Umständen bedeuten soll, dass man bereit ist, andere Menschen zu Opfern zu machen. Diese Einstellung ist hier ganz tief verwurzelt, auch in den allerhöchsten Rängen der Armeeführung, der Sicherheitsorgane und der Politik.

Hamas und der Islamische Dschihad wissen das natürlich und nutzen diese jüdische „Schwäche“ skrupellos aus. Was könnte man auch sonst von radikalislamischen Terrorbanden erwarten? Ich meine, welche andere Chance haben sie gegen eine haushoch überlegene High-Tech-Kultur, um überhaupt irgendeinen Erfolg nach Hause zu bringen, wenn nicht aus der Deckung von palästinensischen Zivilisten vollkommen wahllos auf zivile Wohngegenden in Israel zu schießen, um einerseits Israelis zu töten, um andererseits den Feind zu zwingen, zurückzuschlagen, und vorgeschobene Zivilisten unbeabsichtigt zu treffen, die dann auf allen Zeitungen und Fernsehsendern der Welt zu sehen sind?

Es ist ein fieses und mieses Spiel, welches sich wiederholt und das Hauptpro­blem der asymmetrischen Kriegführung darstellt. Es gibt keine einfachen Antworten darauf. Israel weiß das und schiebt das „Problem Gaza“ weiterhin vor sich her und nimmt in Kauf, dass es jederzeit wieder zu einer Eskalation kommen könnte.

Jederzeit heißt jederzeit! Sogar während Sie diese Zeilen hier lesen. Denn wir befinden uns in turbulenten Zeiten. Eigentlich nichts Neues, denn es geht mittlerweile überall auf der Welt ziemlich turbulent zu. Aber die Knappheit an finanziellen Mitteln bei den Terrorbanden im Gazastreifen und ihrem Hauptförderer, dem iranischen Regime, das selbst mit wirtschaftlichen Sanktionen vonseiten der Amerikanern leben muss, könnte wieder dunkle Wolken am Himmel auftauchen lassen. Außerdem will Israel seinen 71. Unabhängigkeitstag und kurz darauf den in Tel Aviv stattfindenden Eurovision Song Contest feiern.

Ich bleibe dennoch optimistisch. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der Generalstabschef Aviv Kochavi werden beim nächsten Beschuss aus Gaza nämlich keine andere Wahl haben, als die israelische Abschreckung der Hamas und des Islamischen Dschihads wiederherzustellen. Auch das wissen die Terrorchefs. Wenn ich mich in ihren Schuhen befände, würde ich die kommenden zwei Wochen nicht einen Mucks von mir geben.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.