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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Von einer roten Linie

17.01.2019

Jerusalem Der Krieg in Syrien hat im Laufe der vergangenen acht Jahre mehrmals seinen Charakter geändert. Aus einer lokalen Protestbewegung wurde ein blutiger Bürgerkrieg, der größtenteils von regionalen und internationalen Mächten ausgetragen wird.

Autor dieses Textes ist Arye Sharuz Shalicar. Er ist ein deutsch-iranisch-israelischer Politologe, ehemaliger Sprecher der israelischen Armee und heute Abteilungsleiter im Nachrichtendienstministerium im Büro des israelischen Ministerpräsidenten. Sein neuestes Buch trägt den Titel „Der Neu-Deutsche Antisemit“. (Foto: privat)

Der Westen, vor allem die USA, waren sowohl direkt, als auch indirekt an Kampfhandlungen und dem Sieg über die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligt. Doch dann beschloss der amerikanische Präsident Donald Trump, dass die USA sich aus Syrien zurückziehen. Hier in Israel, in Jerusalem (Regierung) und Tel Aviv (Hauptquartier der Armee), waren nicht wenige Politiker und Offiziere erstaunt und empfanden einen Abzug der USA als höchst problematisch. Man ging zurecht davon aus, dass das hinterlassene Vakuum eher früher als später von anderen, wahrscheinlich feindlich gesinnten Akteuren, gefüllt werden wird. Also: Keine positive Entwicklung!

Mit einem Tweet am 13. Januar läutete Trump den endgültigen Abzug der rund 2000 US-Soldaten aus Syrien ein. Zwischenzeitlich hatte man ein wenig Zeit in Jerusalem und Tel Aviv, um die Sicherheitslage mit Syrien neu zu bewerten, und man ist zu der Erkenntnis gekommen, dass Israel mit oder ohne US-Truppen vor Ort, genau das machen wird, was es bislang ziemlich erfolgreich getan hat – seine roten Linien mit aller Macht und um jeden Preis zu verteidigen.

Israel hat seit Ausbruch der Kampfhandlungen auf verschiedenen Wegen gezeigt, dass es absolut kein Interesse hat, in den syrischen Schlamm hineingezogen zu werden und sich unparteiisch und zurückhaltend verhalten wird, solange Israels rote Linien nicht überschritten werden. Das betrifft vor allem eine Festsetzung iranischer Truppen in Syrien. Die Islamische Republik jedoch hatte andere Pläne und versuchte nicht nur, Raketen über Syrien nach Libanon zu liefern, sondern sieht Syrien auch als ihren Einflussbereich. Das gilt besonders seit die „Quds-Brigaden“ einen wesentlichen Anteil daran hatten, Aleppo aus den Händen von sunnitischen Organisationen zurückzuerobern. Diesen Vorgang kann man als Anfang vom Ende des Krieges und Beginn der Machtübernahme der Schiiten in Syrien sehen.

Vor Ort hat sich das durch das Auftreten von Kassem Soleimani, dem Chef der iranischen „Quds-Brigaden“ bemerkbar gemacht. Er erschien jedes Mal und überall höchstpersönlich, wo die Schiiten auf dem Vormarsch waren. Mit ihrer direkten Einflussnahme haben sich die iranischen Strategen, allen voran General Soleimani, jedoch gewaltig ver- und überschätzt. Denn sie übersehen eine entscheidende Kleinigkeit: Syrien grenzt an Israel und nicht an den Iran, und das gibt Israel ganz klare militärische und nachrichtendienstliche Vorteile. Diese Vorteile sind mit dafür verantwortlich, dass der Iran sich trotzt aller Bestrebungen nicht in Syrien hat militärisch festsetzen können.

Wie geht es nun weiter? Aus israelischer Sicht ganz klar: Es wird zu keiner Eskalation kommen, solange der Iran sich aus Syrien zurückzieht und dieses Land nicht als Schnellstraße für Waffenlieferungen an die Hisbollah im Libanon nutzen wird. Syrien ist auf dem besten Weg wieder Teil der internationalen Staatengemeinschaft zu werden. Ein Großteil des Landes ist wieder bewohnbar. Wobei noch nicht das letzte Wort zwischen den Türken und den Kurden im Nordteil des Landes und zwischen Assad und sunnitischen Islamisten-Verbänden, insbesondere im Raum Idlib, gesprochen ist. Es wäre insbesondere für Syrien eine Katastrophe, wenn nun eine neue Facette des Krieges entflammen würde.

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