Niedersachsens Landeshauptstadt führt im Vergleich zu anderen Großstädten wie Hamburg oder Berlin eher ein Schattendasein – passend zum blass wirkenden und zurückhaltend agierenden Oberbürgermeister Stefan Schostok. Schlagzeilen machte das Rathaus in Hannover zuletzt nicht etwa durch ein besonders originelles Marketing, sondern vielmehr durch die Untreuevorwürfe gegen den SPD-Politiker Schostok.

Während Beobachter schon vor Monaten mit dem Rücktritt des Rathauschefs rechneten, klammerte sich Schostok wacker an seinen Schreibtisch und überraschte damit, sich bei offiziellen Anlässen stets locker und gut gelaunt zu präsentieren statt das Rampenlicht zu meiden. Der frohe Mut dürfte seit Mittwoch getrübt, wenn nicht gar verflogen sein.

Mitten in die Feierstunde, zu der Schostok Ex-Kanzler Schröder anlässlich dessen 75. Geburtstags eingeladen hatte, platzte die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft in der Rathausaffäre Anklage gegen Hannovers Oberbürgermeister erhoben hat. Es geht um 64 000 Euro, die Spitzenbeamte der Stadt zu Unrecht kassiert haben sollen. „Zum 80. sehen wir uns wieder, Du als Oberbürgermeister, ich als Jubilar“, sagte Schröder während der Feierstunde an die Adresse von Schostok. Dass dieser dann noch auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, ist seit der Anklage mehr als unwahrscheinlich.

Wie auch immer die Rathausaffäre von Hannover ausgeht, sie wirft kein gutes Licht auf eine Stadt, deren Image ohnehin noch viel Luft nach oben hat.