Weltweit werden täglich Tausende Erdbeben registriert. Die Verschiebung der Erdplatten hat für viele Regionen immer wieder verheerende Folgen. Norddeutschland liegt in dieser Hinsicht zum Glück weit ab vom Schuss. Tektonische Erdbeben sind selten und wenn, haben sie nur eine geringe Stärke. Der Norden ist auch offiziell nicht als erdbebengefährdete Zone klassifiziert.
Umso mehr fällt auf, wenn tatsächlich einmal die Erde bebt. Zwischen Cloppenburg im Westen und Salzwedel im Osten werden seit den 1970er Jahren zunehmend Erschütterungen registriert. Dass just zu dieser Zeit die Erdgasförderung im Norden begann, lässt auf einen Zusammenhang schließen. Nach Angaben von Experten sind etwa 70 Prozent aller seit 1977 aufgetretenen und instrumentell ausgewerteten Erdbeben in Norddeutschland im Umfeld der bekannten Erdgasfelder lokalisiert worden.
Die Wissenschaft blieb trotzdem lange zurückhaltend in ihren Aussagen. Einerseits sicher, weil ein endgültiger Nachweise fehlte. Andererseits vermutlich, weil das Thema politisch brisant ist. Die Auswertung des Syker Bebens lässt aber offensichtlich keine Zweifel mehr am Zusammenhang von Erdgasförderung und Erdbeben. Mit der Folge, dass Politik und Unternehmen reagieren müssen.
Noch ist niemand durch ein Erdgasbeben verletzt worden, noch sind die Gebäudeschäden gering. Doch es steht nicht zu erwarten, dass es künftig immer so glimpflich abläuft. Dieses Risiko muss soweit wie möglich verringert werden. Dabei sind die Unternehmen genauso in der Verantwortung wie die Landesregierung. Das Geschrei, das in Hannover häufig um Fracking oder Kavernen gemacht wird, hat man bei möglichen Gefahren durch Erdgasförderung noch nicht vernommen.
Auch wenn die Experten nur von leichten Erdbeben sprechen, sehen die Betroffenen in den Förderregionen das sicher ganz anders. Rund um Völkersen, wo die Erde inzwischen regelmäßig bebt, ist die Aufregung derzeit wohl am größten. Das kann sich aber auf andere Regionen in Niedersachsen ausweiten. Alleine mit der Formel Erforschen, Aufklären, Beruhigen ist es wohl künftig nicht mehr getan.
