Die bloßen ökonomischen Kennzahlen klingen dramatisch. Die Wirtschaftsforscher senken ihre Wachstumsprognose kräftig. Statt wie erwartet um 1,9 Prozent legt die deutsche Wirtschaft dieses Jahr nur um 0,8 Prozent zu. Noch eine Zahl lässt aufhorchen. Die Aufträge der deutschen Industrie fielen im Februar um 4,2 Prozent. Das sei der stärkste Rückgang seit zwei Jahren, so das Statistische Bundesamt.
Dennoch ist das kein Grund, vorschnell in Panik zu verfallen. Nach einem Jahrzehnt des Booms gleicht sich die ökonomische Lage hierzulande der in anderen Staaten wieder an. Im Inland ist die Nachfrage aber weiterhin ungebremst. Vor allem der kräftige Boom am Bau treibt die Wirtschaft von innen an. Der Ruf nach Plan D und einem möglichen deutschen Konjunkturprogramm ist also reichlich verfrüht.
Der für dieses Jahr befürchtete Abschwung der deutschen Wirtschaft hat vor allem externe Gründe. Die chaotischen Wirren um den Brexit sorgen für große Unsicherheiten in den deutschen Unternehmen, ebenso ein möglicher Handelskonflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten. Unruhe auf dem Weltmarkt ist Gift für den Exportchampion Deutschland.
Der Abschwung hat vor allem politische Gründe und verdeutlicht,dass populistisches Poltern die Wirtschaft nicht weiterbringt – sei es von den Befürwortern eines Brexit oder von US-Präsident Donald Trump. Nationalökonomie war gestern, die Wirtschaft ist längst zu sehr globalisiert und international verwoben, um auf nationale Insellösungen zu setzen. Niemand profitiert vom europäischen Binnenmarkt und offenen Weltmärkten mehr als die deutsche Wirtschaft – und ihre Beschäftigten. Deutschland ist vom Ausland abhängig, nicht umgekehrt.
