Die Hoffnung der Angeklagten und ihrer Sympathisanten auf einen Freispruch im Berufungsverfahren erfüllte sich nicht. Zwar darf eine der drei Frauen der russischen Aktionsgruppe „Pussy Riot“ das Gefängnis verlassen – allerdings nicht, weil das erste Urteil widerrufen wurde, sondern nur, weil ihr eine direkte Teilnahme an dem „Punk-Gebet“ im Altarraum der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale nicht nachgewiesen werden konnte.

Es bleibt dabei: Ein weltliches Gericht verurteilt die jungen Frauen wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ und schickt die beiden verbliebenen Hauptangeklagten – beides Mütter – für jeweils zwei Jahre ins Straflager. Viele Anhänger der russisch-orthodoxen Kirche begrüßen dieses Urteil. Bei neutraleren Beobachtern untermauert der Schuldspruch dagegen den Eindruck, dass in Putins Machtapparat die Grenze zwischen Staat und Kirche zunehmend verschwimmt. Genau dagegen wollte „Pussy Riot“ mit der provokanten Aktion protestieren.

Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)