In der Nacht zum Freitag hat sich die Lage in Syrien grundlegend verändert – wieder einmal. Der US-Angriff auf eine Luftwaffenbasis der syrischen Zentralregierung wirkt dabei auch über die Region hinaus, und er klärt vorerst das Verhältnis Donald Trumps zu den Russen.

Die Amerikaner haben sich offenbar entschlossen, die Assad-Regierung in Damaskus weiter als Feind zu betrachten. Das stellt eine kurzfristige Revision von Äußerungen dar, die noch zu Wochenmitte aus dem State Department zu hören waren. Da hatte Washington angedeutet, es könne eine Lösung des Syrien-Konflikts nur mit Assad geben. War der Chemiewaffeneinsatz also Grund für diese Wende? Wohl kaum. Es dürfte sich eher um eine Klärung von widerstreitenden Positionen innerhalb der US-Regierung handeln. Darüber hinaus ist – auch wenn alle Welt es für eine geheiligte Wahrheit hält – noch immer ungewiss, ob Assads Truppen überhaupt die Verantwortung für den C-Waffen-Angriff tragen. Zum einen besitzen islamistische Rebellen nachweislich Chemiewaffen aus syrischen und irakischen Arsenalen. Zum anderen ist es unwahrscheinlich, dass Assad seine sich langsam stärkende Position durch eine Wahnsinnstat wie diese gefährdet. Es stellt sich allerdings durchaus die Frage, inwieweit er noch vollständige Kontrolle über alle Fraktionen und Milizen ausübt, die auf seiner Seite kämpfen. Andererseits haben aber auch Regionalmächte wie die Türkei und Saudi-Arabien jedes Interesse, einen Sieg des Damaszener Regimes im Bürgerkrieg zu verhindern.

Nun jedenfalls jubeln in Syrien Rebellen und Terroristen aller Couleur, und Moskau schäumt. Die harte Reaktion des russischen Präsidenten lässt darauf schließen, dass eine west-östliche Kooperation in Syrien weiter entfernt ist als je zuvor. Wie das Syrienproblem angesichts dessen entschärft werden soll, ist völlig unklar.

Völlig klar hingegen dürfte nun das Verhältnis der neuen Regierung in Washington zu Russland sein. Eine russisch-amerikanische Annäherung oder, wie von manchem befürchtet (oder erhofft), gar eine Entente, wird es nicht geben. Die beiden Mächte bleiben nicht nur im Nahen Osten Konkurrenten und Gegner. Diese Vorgänge sollten im Übrigen auch diejenigen abschließend eines Besseren belehren, die noch immer davon fantasieren, Donald Trump sei von Moskau ferngesteuert.

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk