Nach der Wahl ist vor der Wahl? Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez strebt nach seinem klaren Sieg bei der Parlamentswahl eine Minderheitsregierung an – an der Sozialist doch gerade erst gescheitert war, genauso wie sein konservativer Amtsvorgänger Mariano Rajoy vor ihm.

Eine Minderheitsregierung in Madrid würde auch dieses Mal nicht lange gut gehen: Wieder würde eine kleine Partei rigorose Forderungen über einschneidende Steuern für Unternehmen oder weitreichende Selbstbestimmung für Regionen stellen, und wieder stünde Sánchez vor der Wahl: sich beugen oder schon wieder Neuwahlen ausrufen?

Drei Parlamentswahlen in nur dreieinhalb Jahren: Spanien braucht endliche politische Stabilität. Denn die Liste der Probleme ist lang. Der Konflikt in Katalonien ist noch längst nicht beigelegt. Die Arbeitslosigkeit ist immer noch erschreckend hoch. Und nun droht auch noch die Konjunktur des Euro-Krisenlandes schwächer zu werden.

Und egal wie oft gewählt wird: Spaniens „Zweiparteiensystem“ ist tot. Auch der gefeierte Sieger Sánchez liegt meilenweit von einer absoluten Mehrheit entfernt. Es hilft alles nichts: Spanien muss Koalieren lernen. Das wird nicht einfach – erst recht nach einem so spaltenden Wahlkampf.

Stefanie Dosch
Stefanie Dosch Politikredaktion/Newsdeskmanagerin