Als besonnener Kapitän, der das Schiff besonnen und mit ruhiger Hand durch die Corona-Wellen gefahren hat, wollte sich Ministerpräsident Stephan Weil in der Landtagsdebatte inszenieren. Doch wenige Meilen vor dem sicheren Hafen – hier: das Ende der Legislaturperiode – rumort es in der Mannschaft. Die Groko-Parteien SPD und CDU gefallen sich in Scharmützeln um Themen wie die unzureichende Unterrichtsversorgung, die unvollendete Digitalisierung oder den fehlenden Einfluss auf die Berliner Ampel. Wann hat SPD-Fraktionschefin Johanne Modder in den vergangenen vier Jahren den Koalitionspartner je so attackiert?
Die Vorlage nimmt die Opposition gern an: Björn Försterling (FDP) spricht von „Stress in der Klassengemeinschaft“, Volker Bajus (Grüne) von „Oppositions-Workshop“. Die Union sucht ihr Heil in der Attacke auf Kanzler und Ampel. Und der Kapitän? Weil sagt zu der Rangelei auf offenem Deck öffentlich erstmal nichts. Ob da im Herbst noch ein geordnetes Anlegemanöver gelingt, erscheint inzwischen zweifelhaft.
