Die Zahlen der Krebserkrankungen in Deutschland sind besorgniserregend. Das Robert-Koch Institut nennt 495 000 Neuerkrankungen für 2019 und 225 523 Todesfälle. Die häufigsten Krebskrankheiten betreffen die Brust, Darm, Lunge und Prostata. Für drei Krebsarten stehen Vorsorgeuntersuchungen zur Verfügung. Es gibt für Frauen ein Programm zur Erkennung des Gebärmutterhalskrebses ab 20 bis 34 einmal im Jahr und ab 35 ein Hautkrebsscreening alle zwei Jahre. Dabei gilt die Erkenntnis, je früher ein Tumor erkannt wird, desto günstiger sind die Chancen einer Heilung. So konnten zum Beispiel durch das Darmfrüherkennungsprogramm in den ersten zehn Jahren 180 000 Krebsfälle verhindert und 40 000 sehr früh erkannte Darmtumore erfolgreich behandelt werden. Es ist kaum zu erklären, warum bei einem hohen Bekanntheitsgrad der Programme nur 40 Prozent der Männer und etwa 67 Prozent der Frauen davon Gebrauch machen.

Da die Bevölkerung immer älter wird, gehen die Statistiker davon aus, dass heute jeder Dritte und in Zukunft jeder Zweite im Verlaufe seines Lebens an Krebs erkrankt.

Durch neue Versorgungsstrukturen mit onkologischen Zentren mit dem Konzept interdisziplinärer Diagnostik und Therapie ist in vielen Fällen eine Behandlung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft möglich. Neben klassischen Verfahren wie Operation, Bestrahlung, Chemotherapie und Stammzelltransplantation gibt es neue erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten, die aufgrund des Nebenwirkungspotenzials in hochspezialisierte Abteilungen gehören.

So gibt es bei der Behandlung von bestimmten Lymphomerkrankungen oder dem Melanom mit der CAR-T-Zelltherapie ganz neue, erfolgreiche Formen der Behandlung, die aber auch wegen ihres erheblichen finanziellen Einsatzes (320 000 Euro) ein spezielles Genehmigungsverfahren erfordern.

Besonders zu beachten ist, dass der ältere Patient oft Begleitkrankheiten wie einen Diabetes mellitus oder eine Einschränkung der Nierenfunktion aufweist. So ist heute der sonst gesunde Patient mit einer Tumorkrankheit eher die Ausnahme. Gerade bei älteren Menschen muss die Erfassung der gesundheitlichen, familiären und sozialen Situation vor Beginn einer Therapie sorgfältig gelingen, damit der Patient selbst entscheiden kann, welche Therapie für ihn speziell infrage kommt. Ziel soll natürlich die Rückkehr in das eigene Lebensumfeld sein. Die eigene Einschätzung ist leider nicht immer realistisch und auch dieser Umstand muss offen angesprochen werden. In der Betreuung des älteren Patienten kann die Behandlung oft nur mit einem interdisziplinär tätigen Team möglich sein. Dazu gehört neben dem Hausarzt die Physiotherapie, der Pflegedienst und der Onkologe. Glücklich ist der Patient, der durch sein familiäres Umfeld unterstützt wird, da die Organisation der Dienste oft eine besondere Herausforderung darstellt, aber letztlich eine Voraussetzung für den Erfolg ist. Die Frage nach der Mobilität und wie gut sich der Patient selbst versorgen kann, die Frage nach einem sozialen Netz und welche Unterstützung erforderlich ist, sind für die Entscheidung für eine bestimmte Behandlung von Bedeutung.

Dr. Gerd Pommer
Internist in

Oldenburg