Der Mediziner Robert Koch, der unter anderem 1882 den Erreger der Tuberkulose entdeckte, gilt gemeinsam mit Louis Pasteur als Begründer der modernen Bakteriologie und Mikrobiologie. Er wurde Professor für Hygiene an der Berliner Universität und 1891 Direktor des neu gegründeten Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten. Dieses heißt heute Robert Koch-Institut (RKI) und ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung zur Krankheitsüberwachung und Prävention. RKI-Präsident Lothar Wieler berichtet tagesaktuell über die neuesten Zahlen der Corona-Pandemie.
Wöchentlich gibt das RKI das Epidemiologische Bulletin (Epid Bull) heraus, eine im Internet frei zugängliche Fachzeitschrift mit aktuellen Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Öffentlicher Gesundheit. Das Epid Bull berichtete am 16. April 2020 über eine kürzere Dauer der Grippewelle 2019/20 sowie über einen abrupten Rückgang der Raten an Atemwegserkrankungen in Deutschland. Die im Rahmen der Ergreifung von Maßnahmen zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie Mitte März beschlossenen, weitreichenden Maßnahmen wie Kita- und Schulschließungen sowie Kontaktsperre sollten die Kontakte minimieren und so die Zahl der SARS-CoV-2-Infektionen und das Auftreten neuer COVID-19-Fälle reduzieren. Inzwischen hat sich gezeigt, dass diese Maßnahmen sehr effektiv waren, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen und die Reproduktionszahl zu senken.
Darüber hinaus zeigte sich hierdurch ein für die Jahreszeit ungewöhnlich starker und abrupter Rückgang aller, auch durch andere Erreger verursachten, akuten Atemwegserkrankungen der gesamten Bevölkerung seit Mitte März. Diese Entwicklung ist sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch bei Erwachsenen zu beobachten. Dementsprechend werden zurzeit sehr viel weniger Kinder mit akuten Infektionen als sonst üblich bei Kinderärzten vorgestellt oder in Kinderkliniken behandelt.
Im Rahmen der verordneten Maßnahmen und Empfehlungen zur Eindämmung oder Verzögerung der Ausbreitung des SARS-CoV-2 war auch geraten worden, nur zum Arzt zu gehen, wenn man deutlich erkrankt ist. Infolgedessen vermeiden Eltern mit ihren Kindern Besuche in Kinder- und Jugendarztpraxen. Verschobene Termine später nachzuholen birgt Risiken, zum Beispiele dass Nachholtermine vergessen oder versäumt werden, die personellen Kapazitäten aber auch Impfstoffvorräte dafür eventuell nicht ausreichen. Die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin hat bereits am 22. März in einer Stellungnahme auf die Notwendigkeit hingewiesen, in der aktuellen SARS-CoV-2 Pandemie anstehende Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen durchzuführen. Termine für Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen sollten weiterhin möglichst zeitgerecht in den Praxen durchgeführt werden, damit die Kinder vor gefährlichen Infektionskrankheiten geschützt werden können.
