Manchmal ist die Rückseite ansehnlicher als die Front. Bei den Euro-Münzen ist das so; erst recht bei mediterranen Innenhöfen. Das gilt auch fürs Rathaus in Hannover: vorn Bretterbuden und Zelte von Klima-Aktivisten, hinten der Maschpark mit Terrasse und Café. Doch nun ist dort auch Schrott zu sehen. Genauer gesagt: ein gut sechs Meter großer Riese aus Metall, der mit dem putzigen Roboter namens C-3PO aus der Star-Wars-Saga wenig zu tun hat.

„Wertgigant“ heißt das Ding, das Aktionskünstler HA Schult aus Elektroschrott produziert hat. Laptops und Lampen sind zu sehen, Hi-Fi-Komponenten und Fernbedienungen, eine Waschmaschinentrommel und natürlich etliche Mobiltelefone. Gut eine Tonne bringt der Riese auf die Waage. Auf einen der Monitore wird ein zweiminütiger Videoclip projiziert. Die Botschaft: „Nicht nur konsumieren, sondern besser reparieren!“

„Werft nicht weg, was nicht weggeworfen gehört“, sagt der 82-jährige Aktionskünstler. Es könnte ein Teil von uns sein. „Wir produzieren Müll, und wir werden zu Müll.“

Die hannoversche Versicherung Wertgarantie, die das Werk in die Landeshauptstadt geholt hat, ermittelte, wie es um den Elektroschrott aus deutschen Haushalten bestellt ist. Jährlich entsorgen die deutschen Haushalte 436 548 Tonnen Elektroschrott – anstatt zu reparieren. Alle 72 Sekunden entstehe in Deutschland Elektroschrott von der Größe eines „Wertgiganten“. Alle 20 Stunden sei es dann schon eine Armee aus 1000 dieser Schrottriesen, rechnete Wertgarantie-Vorstandschef Patrick Döring vor.

Schult, dessen „Trash-People“ (Müllmenschen) schon rund um die Welt gewandert sind, nutzte die Gelegenheit gleich zur Kritik an der Politik. Sie lüge uns alle vier Jahre „die Hucke voll“. Die Müllmänner habe er schon an den absurdesten Abfallorten gezeigt – auch in Gorleben. „Der teuerste Ausstellungsort; zwei Milliarden sind hier versenkt worden“, sagte er in einem Interview der „Neuen Presse“.

Vielleicht sollte HA Schult auch mal mit „AHA“, der Abfallwirtschaft in der Region Hannover, sprechen. Die kommt kaum nach, die Müllberge in der Landeshauptstadt zu entsorgen. Damit Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner mit kleinen Plastikbeuteln entsorgen, hat „AHA“ sogar eine GPS-Schatzsuche entwickelt.

Der „Wertgigant“ steht noch bis zum 17. Oktober am Maschteich. Aber bevor er seine Reise durch die Republik antritt, noch einmal Station vorm Landtag machen. Der Riese wäre ein gutes Anschauungsobjekt für den Status quo der Umweltpolitik.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent