Nachdem jetzt mehrere Impfstoffe gegen Corona zugelassen sind und demnächst weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen, besteht nach wie vor eine große Unsicherheit in der Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Das ausgerechnet auch die Mitarbeiter in Heimen und Kliniken eine deutliche Zurückhaltung zeigen, ist für viele Menschen ein Hinweis, sich ebenfalls noch nicht impfen zu lassen. Auf der anderen Seite wird gerade von Fachleuten immer wieder betont, dass gerade die Impfung großer Bevölkerungsgruppen der entscheidende Weg aus der Pandemie sein könnte. Neben der Kritik, dass zu wenig Impfstoff, insbesondere für die besonders Gefährdeten zur Verfügung steht, wird auch das bisher empfohlene Vorgehen der zwei Impfungen im Abstand von etwa drei Wochen infrage gestellt, da wegen des Impfstoffmangels nicht genügend Impfungen möglich sind. Die diskutierte Aufschiebung, etwa für ein halbes Jahr nach der ersten Impfung, ist zur Zeit aber wissenschaftlich nicht ausreichend abgesichert.
Die am häufigsten gehörte Kritik bezieht sich auf die ungewöhnliche Schnelligkeit, mit der der Impfstoff entwickelt und nun angewandt werden kann. Bislang benötigte die Entwicklung, beispielsweise eines Grippeimpfstoffs, etwa neun bis zehn Jahre. Mit der notwendigen Zulassung war die Impfung dann nach etwa zwölf Jahren möglich. Das Vertrauen in die Sicherheit der Impfungen drückt sich in einer hohen Beteiligung bei anderen Impfungen aus. Es lassen sich laut WHO etwa 90 Prozent der Menschen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten impfen. Dass diese Impfungen Leben retten, zeigt sich an den Zahlen der geringeren Todesfälle.
Das Besondere an der Entwicklung des Coronaimpfstoffs: Nach Tierversuchen wird er in drei Phasen entwickelt. Phase I: Fünf Impfstoffe mit etwa bis 80 Teilnehmern. Hier geht es um Sicherheit und die Immunreaktion. Phase II: Drei Impfstoffe mit bis zu 4000 Studienteilnehmern. Hierbei geht es um die Dosisfindung. Phase III: 10 000 Teilnehmer, das Ziel: Schutz vor der Krankheit.
Diese drei Phasen hat man im Gegensatz zu früheren Entwicklungen überlappend zum Teil zeitgleich durchgeführt. Damit besteht hinsichtlich der Sicherheit keine Änderung gegenüber anderen Impfstoffen. Erst danach kommt das Prüfverfahren in einer europäischen Institution (EMA). Nach Abschluss kann der Impfstoff angewendet werden.
Klassische Impfstoffe enthalten inaktive oder abgeschwächte Viren oder virale Proteine. Diese Form der Herstellung ist sehr aufwendig. Die neuen Impfstoffe haben ein anderes Prinzip. Hier stellt der Körper eigene Antigene her. Bei den mRNA Impfstoffen werden in die Zelle Virusgene in Form von Nukleinsäuren gegeben, die Antigene produzieren und damit eine Immunantwort ermöglichen. Die Gene werden abgebaut, die Impfwirkung bleibt erhalten.
Das mit der mRNA gebildete Antigen löst über Immunzellen eine Antikörperbildung aus mit spezifischen T-Zellen. Es gibt keine Veränderungen im genetischen Bereich. Dass mRNA als Impfstoff funktioniert, ist seit vielen Jahren bekannt, aber seit wenigen Jahren sind die technologischen Möglichkeiten erkannt und entwickelt worden. Vorbehalte lassen sich durch Beratung und Aufklärung beseitigen.
Dr. Gerd Pommer
Internist in
Oldenburg
