Es mag ja ehrenwert von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewesen sein, einen bundesweiten Corona-Gedenktag einrichten zu wollen und damit den Vorschlag des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu unterstützen. „Wir brauchen einen festen bundesweiten Corona-Gedenktag“, hatte Bätzing gefordert.

Es gibt zwei wesentliche Gründe, die gegen Steinmeiers beziehungsweise Bätzings Vorschlag sprechen: Zum einen ist eine Pandemie, die in anderen Teilen der Welt deutlich schlimmere Auswirkungen hat, kein nationales Unglück, an das man nun erinnern muss, sondern eben ein weltweites, obendrein auch noch von Menschen mitverursacht. Zum anderen blendet es all jene Opfer von tödlichen Erkrankungen, Unfällen oder Verbrechen aus, denen ganz sicher kein Gedenktag gewidmet würde. Was auch wenig Sinn machte, denn dann würde man sich das Jahr über – Gründe fänden sich genug – von Gedenktag zu Gedenktag hangeln, an denen kirchliche Würdenträger und Politiker mehr oder minder öffentlichkeitswirksam Betroffenheit dokumentierten. Gedenken-Routine nutzt sich am Ende ab.

Dass Länder wie Spanien und Italien im zurückliegenden Sommer mit Staatsakten an die Corona-Opfer erinnerten, kann man ebenfalls kaum als Argument für einen deutschen Gedenktag heranziehen. Denn die beiden Länder waren ungleich härter von der Seuche betroffen als Deutschland. Da gab es tatsächlich Gründe genug, umgehend auf die schlimme Lage der Angehörigen mit öffentlichem Trost und Zuspruch zu reagieren.

Hinzu kommt ohnehin, dass die Pandemie ja weiterhin das Land/die Welt beherrscht, wir sind noch lange nicht durch damit, ihre Opfer zu zählen, und es werden immer mehr. Da erscheint es widersinnig, bereits jetzt Gedenktage einzurichten. Sinnvoller wäre vermutlich, jene Verblendeten, die noch immer die Pandemie leugnen, mit den direkten Folgen zu konfrontieren, die auch durch ihre Verweigerung von Fakten verursacht werden.

Es wird noch genügend Gelegenheit geben, an die Trauer der Angehörigen zu erinnern, an jene, die nicht einmal die Möglichkeit hatten, Abschied von ihren Lieben zu nehmen. Die Zeit wird kommen, daran zu erinnern – wenn Corona weitgehend besiegt ist.

Dazu braucht es keinen alljährlichen Gedenktag.

Thomas Haselier,
Politik-Redakteur