Die Absagen und Schließungen von Veranstaltungen aller Art haben den Sinn, größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Das ist sinnvoll, weil dadurch die Ausbreitung der Viren verlangsamt und wertvolle Zeit gewonnen wird.

Trotz der notwendigen Konsequenz dieser Entscheidung ist aber Augenmaß gefragt. An diesem Montag entscheidet die Universität beispielsweise über die Schließung des Botanischen Gartens. Da stellt sich schon die Frage, wem das nützen würde. Ist frische Luft nicht gesund? Sitzen in einem Bus oder Zug nicht mehr Menschen dichter aufeinander?

Auch wenn das Finanzamt Oldenburg seine Infothek schließt, das Forum St. Peter Kleingruppen-Treffen absagt oder ähnliche Angebote mit steuerbarem Besucheraufkommen ausfallen, ist die Verhältnismäßigkeit der Schutzmaßnahmen fraglich. Der öffentliche Personennahverkehr geht – sinnvollerweise – weiter, aber der Suppentreff fällt aus? Da wird doch mit unterschiedlichen Ellen gemessen.

Mehrere Tage hat die öffentliche Hand defensiv auf die Corona-Gefahr reagiert. Seit dem Wochenende greifen Maßnahmen mit historischem Umfang. Das ist verantwortungsbewusst und zeigt, dass die öffentliche Hand die Situation richtig einschätzt und handlungsfähig ist.

Wenn aber die Akzeptanz bei den Bürgern für den Schutzwall gegen die Ausbreitung von Corona erhalten bleiben soll, darf der Bogen bei den Vorsichtsmaßnahmen nicht überspannt werden.

Christoph Kiefer über die Reaktion auf Corona.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)