Vor vier Jahren ist eine sehenswerte Dokumentation über Dirk Nowitzki erschienen. Gegen Ende von „Der perfekte Wurf“ spricht Nowitzki einen Satz, der viel über ihn aussagt:  „Schon Wahnsinn, ich kann halt ganz gut Bälle werfen, aber andere sind bestimmt in haufenweise wichtigeren Dingen talentiert – und die kennt kein Mensch.“

Nowitzki ist weit mehr als der beste deutsche Basketballer aller Zeiten. Der Würzburger gehört zu den größten Sportlern, die dieses Land jemals hervorgebracht hat. Er ist in einer Reihe mit Fritz Walter, Franz Beckenbauer, Michael Schumacher, Boris Becker, Steffi Graf, Henry Maske oder Max Schmeling zu nennen. Weil sich Nowitzkis Ausnahme-Karriere im fernen Amerika abspielte, wurden seine Leistungen hierzulande nicht immer angemessen gewürdigt. Ihm hat es nie etwas ausgemacht. Weil ihm der Rummel um seine Person eh immer ein wenig peinlich war.

Nowitzki hätte es wie Kobe Bryant machen können. Der US-amerikanische Superstar hatte vor der vergangenen NBA-Saison angekündigt, dass dies seine letzte in der besten Basketball-Liga der Welt werden würde. Bryant wurde von den Fans in jedem der 82 Hauptrundenspiele mit den Los Angeles Lakers abgefeiert – eine monatelange Überdosis von Emotionen, perfekt inszeniert.

Nowitzki aber wollte keine solche Abschiedstournee mit all dem Brimborium drumherum, was US-Amerikaner so sehr lieben. Er ließ die Öffentlichkeit rätseln, ob er nicht vielleicht doch noch ein Jahr dranhängt und wartete mit der Verkündung seines Karriere-Endes bis zum letzten Heimspiel der Saison. Zack, das war’s. So blieb er sich treu, bis zum Schluss.

Nowitzki ist durch den Basketball zum Multi-Millionär geworden. Im Gegensatz zu vielen anderen so genannten Stars hatte er es nie nötig, seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Er protzt nicht mit teuren Sportwagen, lässt sich nicht auf irgendwelchen Yachten fotografieren, stellt keine Videos ins Netz, auf denen er mit Blattgold überzogenes Fleisch isst.

Nowitzki ist immer herrlich normal geblieben. Das ist bei allen Rekorden und Erfolgen wohl die größte Leistung, die er in seiner einzigartigen Karriere erbracht hat.

Christopher Deeken über das Karriereende

von Dirk Nowitzki