Nicht jeder wird die Corona-Krise überleben – und damit sind nicht die Risikogruppen gemeint. Alle wollen gerettet werden: Restaurants, Einzelhändler, die Lufthansa. Scheinbar soll auch jeder was bekommen – die einen mehr, die anderen weniger. Und ein paar – Millionen Selbstständige – kriegen Harz VI. Überleben kann man damit. Mehr aber auch nicht. Die sogenannte Grundsicherung ist weit vom Lebensstandard eines Normalverdieners entfernt. Nicht mehr selbst seine Miete bezahlen zu können, die Finanzen offenzulegen, sich gegebenenfalls rechtfertigen zu müssen, ist entwürdigend. Bei aller Dankbarkeit, dass in diesem Land keiner verhungern muss, sollten auch psychische Folgen von Armut nicht unterschätzt werden.

Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos: Wir dürfen wieder Pizza essen gehen, Sommerschuhe kaufen und Bundesligaspiele gucken. Sogar Museen sind wieder geöffnet. Aber Theater, Konzerte, Festivals, Lesungen stehen noch immer auf der Verbotsliste.

Bei allem Verständnis für Sicherheit und Gesundheitsschutz macht dieser Verlust traurig. Kulturveranstaltungen sind als erstes abgesagt worden – und werden vermutlich auch als letztes wieder stattfinden. Vorausgesetzt, Einrichtungen und Einzelkämpfer überleben die Krise. Kultur ist systemrelevant – das sollten wir nicht nur mit Applaus auf dem Balkon honorieren.

Lea Bernsmann über die Krise

Kulturschaffender