Kultur für alle. Die Forderung ist ein alter Hut. Der gerne immer wieder herumgereicht wird. Dass Menschen unter 18 jetzt auch noch das letzte, für sie kostenpflichtige, städtische Museum gratis besuchen dürfen, ändert wenig. Zumindest, wenn man es ernst meint und nachhaltig Veränderungen anstrebt.

Zum einen ist es in erster Linie Aufgabe der Eltern, ihrem Nachwuchs einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen: Wer als Kind nicht den Zauber der Theaterluft geschnuppert hat oder fasziniert vor prunkvollen Barock-Ölgemälden stand, wird im Teenageralter eher zögerlich den Weg zu Kultureinrichtungen finden. Der gesamten Bevölkerung kostenlos die Tür zu öffnen, brächte vermutlich mehr und würde auch Menschen – samt Nachwuchs – anlocken, die sonst einen Bogen um Museen machen.

Zum Anderen sind bei der Debatte um mangelnde Besucherzahlen oder Kulturverdrossenheit die Inhalte nicht zu vergessen. In Großbritannien, wo Museen frei sind, tummeln sich auch deswegen so viele Leute, weil auf clevere Marketingstrategien und Innovation gesetzt wird. Es geht auch darum, die städtischen Angebote attraktiv zu machen. Jünger und anders zu denken, den Staub abzuwischen. Wer die Fridays-for-Future-Generation locken will, muss sich etwas einfallen lassen. Und das kann auch mal außerhalb alter Gemäuer oder neugeplanter Architektur stattfinden. Ideen, wie Kunst zum Erlebnis wird, gibt es genug. Abgucken ist erlaubt. Und dafür Geld zu investieren lohnt sich mehr, als ein paar Euro Eintritt zu streichen. Zeitgemäß wäre auch ein Preismodell a la „Pay-What-You-Want“ – jeder gibt, was er kann. Ein bisschen was sollte jedem Kunst wert sein, der weiß: Kultur ist nicht umsonst.

Lea Bernsmann über freien Eintritt in Museen