Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Hannover 96 denken? Vielleicht, dass die Fußballer 1938 und 1954 Deutscher Meister wurden? Dass sie 1992 als bis heute einziger Zweitligist sensationell den DFB-Pokal gewannen? Oder dass sie zu Beginn der 2010er-Jahre unter Trainer Mirko Slomka sowie Sportdirektor Jörg Schmadtke die beste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte spielten und danach spannende Europapokalabende erlebten – gegen Teams wie den FC Sevilla, FC Porto oder Atlético Madrid.

Ich behaupte: Sie denken schon seit längerer Zeit an nichts mehr von alledem. Sie denken vielmehr an einen Verein, der im Chaos versinkt. Der in sich zerstritten ist, der ein desaströses Bild nach außen abgibt. Ein Traditionsclub aus der größten Stadt Niedersachsens, der das Stadion nicht voll bekommt, weil die Fans A keine sportliche Identität mehr erkennen und weil sie B die Arbeit in der Führungsetage schlichtweg erschütternd finden.

Und Sie denken wahrscheinlich an Martin Kind. Ein Club-Patron, den es so kaum noch gibt im deutschen Profifußball. Kind dominiert den Verein, er erdrückt ihn gar mit seiner Präsenz. Kein Spieltag, keine Woche vergeht ohne eine Kind-Kritik an der verheerenden Lage seines Vereins, dem er natürlich nur versucht zu helfen – dem er dabei aber immer mehr schadet.

Der Fisch stinkt vom Kopf, heißt es so schön. Bei 96 könnte dieses Bild kaum passender sein. „Hannover benötigt einen Neuanfang“ heißt es in der am Dienstag zu der Freistellung von Manager Horst Heldt veröffentlichten Clubmitteilung. Es ist nur schwer zu glauben, dass so ein Neustart erfolgreich ist, solange mit Martin Kind an der Spitze alles beim Alten bleibt.

Lars Blancke über die Situation bei Hannover 96

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion